Das ersetzte Tischbein
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit weniger von Hype begleitet wie das Mozart-Jahr vor drei Jahren. Haydn-Würstchen oder -Biere bleiben uns erspart; andererseits bringt das Gedenkjahr lange an den Rand gedrängte Werke erneut ins Bewusstsein.
Beispielsweise Haydns 1770 zur Hochzeit einer Nichte Fürst Nikolaus Esterházys uraufgeführte musikalische Komödie «Le pescatrici» («Die Fischerinnen») nach Carlo Goldoni – ein erotisches Verwechslungsspiel nicht unähnlich jenem von Händels gerade im Theater an der Wien präsentierter «Partenope» (siehe Seite 8), doch weit harmloser. Die Oper ist nur als Fragment vorhanden; das Originalmaterial wurde möglicherweise beim Brand des Esterházer Schlosstheaters 1779 vernichtet.
In der nun an der Wiener Kammeroper benutzten, aus den 1960er Jahren stammenden Fassung des Werks haben der Haydn-Spezialist H. C. Robbins Landon und der ...
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Kein Zufall, dass die Opernhäuser einen Bogen machen um Manuel de Fallas knapp über einstündigen Zweiakter «La vida breve» von 1905. Immerhin könnte man ihn als eine Art spanische Nationaloper bezeichnen – mangels sonstiger Masse: De Fallas monumental konzipiertes Spätwerk «Atlántida» blieb unvollendet und in (von Ernesto Halffter) unbefriedigend komplettiertem...
Das letzte Jubiläum hatte es in sich. Als vor knapp einem halben Jahrhundert der 300. Geburtstag Georg Friedrich Händels gefeiert wurde, herrschte Aufbruchstimmung bei Opernhäusern, Interpreten und Schallplattenproduzenten. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Händels Opern auf den Spielplänen lediglich Randrepertoire, etliche Bühnenwerke des Komponisten lagen zudem...
Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt...
