Das ersetzte Tischbein

Zum Haydn-Jahr bringt die Wiener Kammeroper das Fragment «Le pescatrici» auf die Bühne – in der von H. C. Robbins Landon und Karlheinz Füssl komplettierten Fassung

Opernwelt - Logo

Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit weniger von Hype begleitet wie das Mozart-Jahr vor drei Jahren. Haydn-Würstchen oder -Biere bleiben uns erspart; andererseits bringt das Gedenkjahr lange an den Rand gedrängte Werke erneut ins Bewusstsein.


Beispielsweise Haydns 1770 zur Hochzeit einer Nichte Fürst Nikolaus Esterházys uraufgeführte musikalische Komödie «Le pescatrici» («Die Fischerinnen») nach Carlo Goldoni – ein erotisches Verwechslungsspiel nicht unähnlich jenem von Händels gerade im Theater an der Wien präsentierter «Partenope» (siehe Seite 8), doch weit harmloser. Die Oper ist nur als Fragment vorhanden; das Originalmaterial wurde möglicherweise beim Brand des Esterházer Schlosstheaters 1779 vernichtet.
In der nun an der Wiener Kammeroper benutzten, aus den 1960er Jahren stammenden Fassung des Werks haben der Haydn-Spezialist H. C. Robbins Landon und der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Traum – das Leben

Es kann so einfach sein. Ein kleiner Trick, ein genaues Lesen, und schon entsteht theatralische Wahrheit dort, wo man sie nie vermutet hätte. Denn seien wir ehrlich: Ist Donizettis «Lucrezia Borgia» nicht eigentlich ein Himmelfahrtskommando für jeden Regisseur? Gift und Gegengift, Mutterliebe und Muttermonster, Ehehölle und höllische Ehrbegriffe. Victor Hugo hat...

Wagners Figuren sind uns fern

Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine...

Und immer wieder Octavian

Mit ihrem Rosenkavalier werde die Musikwelt «stimmlich und darstellerisch auch in besonderen Fällen rechnen können», prophezeite die Grazer «Tagespost» am 9. November 1949 nach dem sensationellen Debüt der erst 25-jährigen Hertha Töpper im dortigen Opernhaus. Und in der Tat: Der Octavian wurde die zentrale, wurde die Schicksalspartie in der Karriere der...