Feuerstürme
Entrückte Seelen? Gibt es, zumindest im Kontext eines unerschütterlichen Glaubens. Didymus, jener römische Offizier, den die Liebe zur tugendhaften Theodora schier überwältigt hat, obwohl die weltentsagende Christin nach herrschender Doktrin auf der «falschen» Seite steht, schwört auf die Kraft einer spirituellen Macht, die selbst reale physische Gewalt zu bezwingen vermag. Und genau davon singt Didymus auch in seiner Arie «The raptur’d soul defies the sword», mit flehentlich-drängendem Impetus – und weit schneller, als dies der Komponist vorsah.
Händel fasste dieses funkelnde Es-Dur-Juwel in ein behutsames Andante, Christopher Lowrey beschleunigt es beinahe bis zu einem Allegro. Das aber so expressiv, so lichtvoll und farbenreich, dass man ihm diese «Negation» des kompositorischen Willens auf der Stelle nachsieht, zumal sich sein musikalisches Zwiegespräch mit dem von Leonardo García Alarcón geleiteten Millenium Orchestra durch rhetorische Brillanz auszeichnet.
Auch über das Werk selbst, ein Oratorium in drei Teilen, dessen Textbuch Thomas Morell auf Grundlage von Robert Boyles «The Martyrdom of Theodora and Didymus» verfasste, lässt sich solches sagen. «Theodora», am 16. März ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Medien, Seite 44
von Jan Verheyen
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