Das doppelte Nickchen

Eva-Maria Höckmayr untersucht am Theater Freiburg in Strawinskys «The Rake’s Progress» die Urkraft des Bösen, Ektoras Tartanis liefert den passenden Sound

Opernwelt - Logo

Nun gut, wer bist du denn? – Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.» Mephistos kryptisch-dialektische Antwort auf Fausts Frage in Goethes Tragödie hat Generationen von Interpreten beschäftigt. Auch Michail Bulgakow, der das Zitat seinem satirischen Roman «Der Meister und Margarita» aus dem Jahr 1940 vorangestellt hat. Dort spielt der Teufel mit der gesamten Funktionärs-Entourage der Stalin-Ära und sorgt für ein riesiges Chaos – im Guten wie im Bösen.

Für Eva-Maria Höckmayr waren bei ihrer Regiearbeit zu «The Rake’s Progress» am Theater Freiburg die Parallelen zu Bulgakow evident. «Was heißt es, wenn wir das Böse personifiziert haben?», lautet ihre grundsätzliche Frage an Strawinskys 1951 uraufgeführte Oper. Deren Grundlage ist zunächst etwas anderes – William Hogarths acht -teiliger Gemäldezyklus «The Rake’s Progress» von 1732/33, die bildreportageartige Fallstudie eines jungen Mannes. Was bei Hogarth nicht vorgesehen ist, haben Strawinskys Autoren W. H. Auden und Chester Kallman hinzuerfunden: die Figur des Nick Shadow, «Rakewells ‹Schatten›, sein mephistophelisches Alter Ego», wie der Musikwissenschaftler Sieghart Döhring schreibt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
«Gute Kunst ist immer aktuell»

Herr Gerhaher, der Bühnenverein hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass Theater und Konzertsäle über 80 Prozent Auslastung melden, manche Häuser sprechen sogar von weit über 90 Prozent. Ist die Krise ist überwunden?
So etwas hört man. Die Frage ist nur, wie belastbar diese Zahlen sind. Es könnte ja auch bedeuten, dass viele kommen – aber manche nicht zahlen müssen....

O Wort, das mir fehlt!

Als am Ende der Bonner Aufführung von Arnold Schönbergs biblischer Oper «Moses und Aron» die letzten Streichertöne verklingen, das Licht auf der Szene erlischt, der Vorhang sich schließt und, bevor der erlösende Beifall losbricht, mehrere Sekunden lang beklommenes Schweigen herrscht, gibt es wohl kaum einen Zuschauer, dem nicht die Verzweiflung des in sich...

Ein Italiener in Paris

Pergolesis heiteres Intermezzo «La serva padrona» schlug 1752 in Paris wie eine Bombe ein. Die davon ausgelöste «Querelle des bouffons», bei der es um die von Rousseau aufgeworfene Frage ging, ob man die französische Sprache überhaupt vertonen und singen könne, hielt das intellektuelle Paris in Atem. Es blieb einem Italiener, dem aus Parma kommenden Egidio Duni...