Auratisch
Eine «Oper in italienischer Sprache» nennt Pascal Dusapin «Passion», sein sechstes Bühnenwerk.
Doch trifft dieser Untertitel wirklich den Kern des 75-Minuten-Opus, das sich zwar auch als Kommentar zu Monteverdi und dem Mythos von Orpheus und Eurydike verstehen lässt, seinen Sog aber aus den sanft verfließenden Farben wundersamer Klangbilder bezieht, die letztlich keiner Bebilderung bedürfen? Was «Lei» (Sie) und «Lui» (Er), die namenlose Stimmen, hier in immer neuen Anläufen, ein Ungreifbares, eine leere Mitte umkreisend, beschreiben – das atmet, zittert, wogt und vibriert in feinsten Texturen, die aus winzigen Motivzellen gewoben sind. In einer Musik, deren verhaltene Bewegung die Stille zu suchen scheint. So wie die von «gli altri», den anderen, begleitete Frau und der Mann bald rauschend, bald stammelnd oder verstummend, in allen Lagen (sprech-)singend das Spektrum menschlicher Affekte und Gefühle durchmessen, weil sie die Sehnsucht nach einem Abwesenden, Unerreichbaren treibt: der ewigen Verschmelzung von Körper und Seele.
Im Sommer 2008 hat das Ensemble Modern «Passion» beim Festival in Aix-en-Provence uraufgeführt, mit Barbara Hannigan in der Sopran-, Georg Nigl in der ...
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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann
So hatten Sie sich Ihre ersten Spielzeiten als Chefdirigentin beim Radio Filharmonisch Orkest wahrscheinlich nicht vorgestellt, Frau Canellakis ...
Nein. Aber die Ausnahmesituation hat die Kreativität befeuert und uns sehr verbunden. Ich habe die Musiker auf besondere Weise kennengelernt.
Sie sind Dirigententochter, haben Schlagfiguren, Partiturlesen, Transponieren...
Der Philosoph der Aufklärung war skeptisch. Musik, so Immanuel Kant, sei ihrem nichtgegenständlichen Wesen nach auf das Spiel mit unseren Empfindungen beschränkt, somit kaum tauglich zur geistigen Durchdringung. Auch deswegen schätzte er ihren Wert für die «Erweiterung jener Vermögen, die in der Urteilskraft zusammenwirken» als sehr gering ein; Musik habe ihren...
«Das ist vom Anfang bis zum Ende eine reizvolle Einlegearbeit, ein glanzvolles Mosaik», schrieb der gestrenge Léon Escudier nach der Premiere von Gounods «Faust» in «La France musicale» vom 27. März 1859. Da aber war das Stück bereits nach tausend Kämpfen drastisch gekürzt, und es sollte unter der launischen Herrschaft des bizarr-genialen Direktors des Théâtre...
