Auratisch

Das Ensemble Modern bringt Pascal Dusapins «Passion» als Hörstück heraus – mit Georg Nigl, Keren Motseri und dem Vocalconsort Berlin

Eine «Oper in italienischer Sprache» nennt Pascal Dusapin «Passion», sein sechstes Bühnenwerk.

Doch trifft dieser Untertitel wirklich den Kern des 75-Minuten-Opus, das sich zwar auch als Kommentar zu Monteverdi und dem Mythos von Orpheus und Eurydike verstehen lässt, seinen Sog aber aus den sanft verfließenden Farben wundersamer Klangbilder bezieht, die letztlich keiner Bebilderung bedürfen? Was «Lei» (Sie) und «Lui» (Er), die namenlose Stimmen, hier in immer neuen Anläufen, ein Ungreifbares, eine leere Mitte umkreisend, beschreiben – das atmet, zittert, wogt und vibriert in feinsten Texturen, die aus winzigen Motivzellen gewoben sind. In einer Musik, deren verhaltene Bewegung die Stille zu suchen scheint. So wie die von «gli altri», den anderen, begleitete Frau und der Mann bald rauschend, bald stammelnd oder verstummend, in allen Lagen (sprech-)singend das Spektrum menschlicher Affekte und Gefühle durchmessen, weil sie die Sehnsucht nach einem Abwesenden, Unerreichbaren treibt: der ewigen Verschmelzung von Körper und Seele.

Im Sommer 2008 hat das Ensemble Modern «Passion» beim Festival in Aix-en-Provence uraufgeführt, mit Barbara Hannigan in der Sopran-, Georg Nigl in der ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Albrecht Thiemann

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