Da lacht das Montags-Abo

Mozart: Così fan tutte an der Staatsoper Wien

Opernwelt - Logo

Wissen die Frauen alles? Oder ist die Verkleidung der Kerle perfekt? Oder lassen sie doch wenigstens eine kleine Ahnung erahnen? Es ist, so scheint es aus Sicht der Regie, das zentrale Problem von «Così fan tutte». Dabei ist die Sache so simpel wie szenisch kompliziert: Man weiß es einfach nicht. Die Genialität von Mozarts und Da Pontes letztem Geniestreich liegt ja in seiner Offenheit: ein so frivoles wie herz -angreifendes Experiment zwischen realen Psychostudien und abstraktem Experiment.

Eindeutigkeit? Fehlanzeige – mag darüber auch hektoliterweise Konzeptschweiß vergossen werden.

Barrie Koskys aktuelle Wiener Anstrengung reiht sich nahtlos in diese Bemühungen ein. An der Staatsoper greift er zum Finale seines Da-Ponte-Zyklus auf ein steinaltes Mittel zurück: Man spielt Theater auf dem Theater. Eine Durchdringung der Realitäten und Ebenen. Die ist so durchschaubar wie apart und vor allem bis zur Pause extrem amüsant. Don Alfonso also im Regiestuhl, Despina eine zickige Assistentin mit Kaugummi, Kopfhörer und lesbischen Neigungen. Dazu zwei Paare, die zunächst Liebe nach Regiebuch schwören und zwar in einer Probensituation – bis die emotionale Verwirrung auch auf ihr «echtes» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Zum Sterben schön

Weder hat Claudio Monteverdi 1607 mit seiner Favola in musica «L’Orfeo» die Oper erfunden noch Christoph Willibald Gluck 1762 mit der Azione teatrale per musica «Orfeo ed Euridice» allein die Reform dieser Kunstform begründet. Dass beides dezidiert höfische Werke sind, besagt schon die Gattungsbezeichnung «Pastoraldrama». Dennoch besteht ihr Ausnahmerang zu Recht,...

Vorschau und Impressum 8/24

Weltenerfinder
Er zählt, neben Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann und dem Mitte März verstorbenen Aribert Reimann, zur Crème de la Crème der bundesdeutschen (Opern)Komponisten. Werke wie «Orest», «La grande magia», «Eurydice ...» und «Septembersonate» sind Meilensteine des zeitgenössischen Musiktheaters. Ende Oktober wird Manfred Trojahn 75 Jahre alt. Anlass genug...

Göttliche Gabe, irdische Gewalt

Wenn Frauen Opern über Frauen inszenieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen es ganz anders oder sie erfüllen ihren Dienst am Regietheater noch radikaler als ihre männlichen Kollegen. Lydia Steier gehört zu Letzteren. Schlaflose Nächte habe sie seit der Premiere ihrer Inszenierung von Strauss’ «Salome» im Oktober 2022 an der Opéra Bastille verbracht,...