Alice in Zombieland

Ruders: The Handmaid’s Tale am Theater Freiburg

Opernwelt - Logo

Mit Margret Atwoods Bestseller «The Handmaid’s Tale» geht es einem ähnlich wie mit George Orwells «1984»: Die Dystopie ist erschreckend nahe gerückt, manches ist längst nicht mehr Fiktion. Es überrascht also wenig, dass Peter Carp seiner Freiburger Inszenierung der Deutschen Erstaufführung von Poul Ruders’ gleichnamiger Oper aus dem Jahr 2000 eine Art Prolog von erschreckenden Fotografien voranstellt (Video: Bastian Kabuth). Neben all den Kriegen und Umweltkatastrophen der jüngsten Vergangenheit ist da auch der Sturm aufs Kapitol 2021 dokumentiert.

Im Roman der kanadischen Autorin und auch im Libretto Paul Bentleys erfahren wir von einem Sturm auf den Kongress und von der Absetzung des US-Präsidenten. Ist «The Handmaid’s Tale» nur eine Antizipation dessen, was uns bald droht? Eine postapokalyptische Gesellschaft, ein streng hierarchischer Überwachungsstaat, in dem die wenigen Frauen, die noch gebärfähig sind, wie Mägde gehalten werden von einer kleinen Clique – die Verhältnisse in Staaten wie dem Iran oder wie Afghanistan sind nicht mehr weit davon entfernt.

Dass der Freiburger Intendant in seiner Inszenierung die faschistoide Figur der Lageraufseherin und «Umerzieherin» Tante ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Vorschau und Impressum 8/24

Weltenerfinder
Er zählt, neben Wolfgang Rihm, Helmut Lachenmann und dem Mitte März verstorbenen Aribert Reimann, zur Crème de la Crème der bundesdeutschen (Opern)Komponisten. Werke wie «Orest», «La grande magia», «Eurydice ...» und «Septembersonate» sind Meilensteine des zeitgenössischen Musiktheaters. Ende Oktober wird Manfred Trojahn 75 Jahre alt. Anlass genug...

Tagebuch der Andersdenkenden

Das Diaghilev-Festival in Perm, 2003 gegründet und seit 2011 von Teodor Currentzis geleitet, wurde in diesem Jahr mit der «Matthäus-Passion» von Johann Sebastian Bach eröffnet. Im frisch renovierten Großen Saal der Philharmonie Perm zeigten das Orchester und der Chor musicAeterna, der Kinderchor «Vesna» und starke Solisten unter Currentzis, wie sich ein ganz...

Brutal schön

Noch unter der ehemaligen Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz war die Neuproduktion von Debussys einziger Oper «Pelléas et Mélisande» geplant worden. Wegen der Pandemie verschob sich die Premiere nun bis nach dem Wechsel der Dirigentin ans Konzerthaus Berlin. Der Qualität des Abends tat dies indes keinen Abbruch: Unter der stilsicheren Leitung von Björn Huestege...