Chiffren der Überwältigung
«Wie viel Musik braucht der Mensch?» Offenbar viel, und noch mehr Ideen und dramaturgische Eingebungen dazu, wie sie Hans Neuenfels gern in Texten verdichtete. Eine Auswahl davon hat er 2009 unter diesem investigativen Buchtitel versammelt – in einer Art berauschtem Selbstappell als «Beschwörungen, Ablagerungen freigelegter Empfindungsschichten, Auffangbecken der überwältigenden Gefühle», hingeschrieben im Bann der eigenen Inszenierungen, «um nicht von der Gewalt der Kompositionen fortgeschwemmt zu werden».
Erzählerische Notate, Collagen, wie etwa «Giuseppe e Sylvia», die Fantasie einer Begegnung Giuseppe Verdis mit der Dichterin Sylvia Plath. Lauter abenteuerliche Erdichtungen um Komponisten, ihre Werke und Neuenfels’ eigene Projekte, emotionalisiert ausgestoßen im Sich-Vergewissern der immerhin 30 Opern, die er bis dahin inszeniert hatte.
«Ich suchte ununterbrochen nach möglicher Identifikation, nach unmittelbaren oder verborgenen Verknüpfungen zu den Komponisten und ihrer Musik», schreibt Neuenfels. Nicht nur mit seinen Inszenierungen, immer auch mit den darin verborgenen Fragen und Reflexionen offenbarte der Regisseur sich als der poetische Intellektuelle, als Psychoanalytiker ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Wolfgang Schreiber
Die Aufmachung und das Papier, die Schrifttype und die Farbgestaltung hätten wohl dazu geführt, dass ich dieses Buch nicht genauer gelesen hätte, zu sehr erwartete ich einen Band, der lediglich einige Klischees bedienen würde, ohne eine gewisse Tiefe zu erreichen. Hinzu kam: Ein vermeintliches Sammelsurium, das fünf Essays über Aufführungspraxis, neun Interviews...
Das Wandern ist des Müllers Lust? Weit gefehlt. Schon im Vorspiel macht Daniel Heide deutlich, dass diese Reise wohl eher beschwerlicher Natur sein wird. Nicht eine Tartanbahn oder gar ein samtseidener Teppich dienen dem Wanderer als Untergrund – holprig und steinig sind die Pfade, die er betritt. Schwer rattern die Sechzehntel der Rechten, Bydlo-schwer schleppen...
In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben Rück- und Seitenlichtkonzepte, die im Bühnenbild teilweise absurde Einschnitte («Lichtschießscharten») erforderten, eigentlich geschlossene Raumkonzepte torpediert. Seither habe ich mir angewöhnt, einen «gedeckelten» Raum so zu akzeptieren, wie er vielleicht gemeint ist. Dabei habe ich mich, wie ich...
