Chiaroscuro
In tiefem Dunkel liegt der Raum. Vorn schneidet eine ovale Deckenleuchte eine Höhle aus Licht in die Finsternis. Kalter Glanz fällt auf starre Schwingen, matte Glieder und gefiederte Gelenke, achtlos gehäuft: Mehr ahnt man die Vogelleichen, als das man sie erkennt. Aus dem Hügel ragt, blendend weiß, eine Menschenhand hervor.
Von hinten schiebt sich eine Phalanx nackter Gestalten heran. Man wollt’ sie Frauen nennen, die «Macbeth»-Hexen – trügen nicht die Weiber beachtliches Gemächt, die Männer Venushügel.
In Barrie Koskys Inszenierungen gehören Gender-Spiele zum gewohnten Inventar, doch hier sind sie mehr als eine Masche. Tier um Tier tragen die Statisten (der Chor bleibt unsichtbar) den Rabenberg ab, bis sie Macbeth freigelegt haben. Er steht auf, Haar und Bart wild zerzaust. Dazu trägt er einen schwarzen Mantel, bodenlang, mit Flügelärmeln, so dass im steilen Schein der Lampe wie in einem Rembrandt-Porträt nur Gesicht und Hände hervortreten. Ihn und Banquo umzingeln die Zwitterwesen, die ein Projektor mit Lichtflecken besprüht, bis die Grenzen der einzelnen Leiber völlig verschwimmen. Finger flattern wie Insekten. Schier ertrinken die beiden Krieger im Geschwirr, schnappen nach ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wiebke Roloff
JUBILARE
1926 in Melbourne geboren, schloss Denis Vaughan 1947 an der Universität seiner Heimatstadt ein Musikstudium ab und setzte seine Ausbildung mithilfe eines Stipendiums am Royal College of Music in England fort, wo er Orgel und Kontrabass studierte. 1950 trat er dem Royal Philharmonic Orchestra unter Thomas Beecham bei, bevor er zum Assistant Conductor und...
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik...
Aufgrund welcher Verkettungen und Missionen die «Decca» – opernaktiv sonst nur im Bereich Alter Musik und für Cecilia Bartoli – bei «L’Aiglon» sogar ein Label-Debüt von Operndirigent Kent Nagano arrangierte, gibt Rätsel auf. Man könnte es als Naganos Operetten-Debüt betrachten: «L’Aiglon», komponiert 1937 als Gemeinschaftsarbeit von Arthur Honegger und Jacques...
