Chiaroscuro
In tiefem Dunkel liegt der Raum. Vorn schneidet eine ovale Deckenleuchte eine Höhle aus Licht in die Finsternis. Kalter Glanz fällt auf starre Schwingen, matte Glieder und gefiederte Gelenke, achtlos gehäuft: Mehr ahnt man die Vogelleichen, als das man sie erkennt. Aus dem Hügel ragt, blendend weiß, eine Menschenhand hervor.
Von hinten schiebt sich eine Phalanx nackter Gestalten heran. Man wollt’ sie Frauen nennen, die «Macbeth»-Hexen – trügen nicht die Weiber beachtliches Gemächt, die Männer Venushügel.
In Barrie Koskys Inszenierungen gehören Gender-Spiele zum gewohnten Inventar, doch hier sind sie mehr als eine Masche. Tier um Tier tragen die Statisten (der Chor bleibt unsichtbar) den Rabenberg ab, bis sie Macbeth freigelegt haben. Er steht auf, Haar und Bart wild zerzaust. Dazu trägt er einen schwarzen Mantel, bodenlang, mit Flügelärmeln, so dass im steilen Schein der Lampe wie in einem Rembrandt-Porträt nur Gesicht und Hände hervortreten. Ihn und Banquo umzingeln die Zwitterwesen, die ein Projektor mit Lichtflecken besprüht, bis die Grenzen der einzelnen Leiber völlig verschwimmen. Finger flattern wie Insekten. Schier ertrinken die beiden Krieger im Geschwirr, schnappen nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wiebke Roloff
Wenige Episoden aus Dantes monumentaler «Commedia» sind so bekannt wie die Erzählung von der ehebrecherischen Liebe der Francesca da Rimini und ihres Schwagers Paolo Malatesta. Mindestens zwei Dutzend Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts griffen den Stoff auf. Für die literarische Moderne hat jedoch keine Oper so viel Gewicht wie die 1914 in Turin unter...
Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte...
ARD-ALPHA
3./10.6. – 19.30 Uhr
6./13.6. – 16.00 Uhr
10.6. – 19.30 Uhr
KlickKlack.
Musikmagazin.
12.6. – 11.00 Uhr
Das Odeon-Trio spielt
im Schloss Haimhausen.
12.6. – 20.15 Uhr
Neville Marriner dirigiert
Mozart: Ouvertüre B-Dur, KV 311a. Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
12.6. – 21.00 Uhr
Wenn die Zahnräder Menschen sind.
Film von Hanne Kaisik und Uli Aumüller über...
