Wo man singt, da lass dich ruhig nieder

Der Heidelberger Frühling sucht nach der Zukunft des Liedes

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War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik entzogen ihm rasch jenen Humus, auf dem es für knapp ein Jahrhundert üppig ge­diehen war. Mit der neu erfundenen Schallplatte, dann auch im öffentlichen Liederabend erfolgte der Rückzug auf ein Kernrepertoire.

Doch auch dieses ist heute, abermals knapp 100 Jahre später – trotz herausragender Interpreten und zahlreicher Hoffnungsträger – außerhalb von Festivals beinahe zur Rarität geworden. Gründe und Folgen gehen dabei Hand in Hand: So dürfte es wohl weniger das mangelnde Interesse des Publikums sein, als vielmehr das verloren gegangene Verständnis für all die dichterischen Subtexte und musikalischen Zwischentöne, die den unendlich anmutenden Lied-Kosmos vielen so fern erscheinen lässt.

Insofern darf man von einer mutigen Tat sprechen, wenn sich der Heidelberger Frühling als ein programmatisch ohnehin abwechslungsreiches, nie ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Michael Kube

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