Wo man singt, da lass dich ruhig nieder
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik entzogen ihm rasch jenen Humus, auf dem es für knapp ein Jahrhundert üppig gediehen war. Mit der neu erfundenen Schallplatte, dann auch im öffentlichen Liederabend erfolgte der Rückzug auf ein Kernrepertoire.
Doch auch dieses ist heute, abermals knapp 100 Jahre später – trotz herausragender Interpreten und zahlreicher Hoffnungsträger – außerhalb von Festivals beinahe zur Rarität geworden. Gründe und Folgen gehen dabei Hand in Hand: So dürfte es wohl weniger das mangelnde Interesse des Publikums sein, als vielmehr das verloren gegangene Verständnis für all die dichterischen Subtexte und musikalischen Zwischentöne, die den unendlich anmutenden Lied-Kosmos vielen so fern erscheinen lässt.
Insofern darf man von einer mutigen Tat sprechen, wenn sich der Heidelberger Frühling als ein programmatisch ohnehin abwechslungsreiches, nie ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Michael Kube
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche...
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
Wiesbadens Theater, exemplarische Fellner & Helmer-Neorenaissance (1894), und die von Wilhelm II. 1896 in seiner Sommerfrische lancierten Maifestspiele zeugten von Belle Epoque-Nostalgie. Diesmal freilich wiesen die Zeichen gleich doppelt nach vorn: Auf Zimmermanns epochale «Soldaten» (siehe Seite 18) folgte die Uraufführung von Helmut Oehrings «Agota?» mit der...
