Arbeit am Mythos

Tschaikowsky: Die Jungfrau von Orléans
ERFURT | DOMSTUFEN-FESTSPIELE

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Eine putzige Anekdote über den kleinen Peter Tschaikowsky geht so: Das elsässische Kindermädchen ertappte seinen Schützling eines Tages, wie er vor einem Atlas kniete und die Länder Europas als die Feinde Russlands bespuckte. Von der Französin zurechtgewiesen, dass man so etwas nicht tue, antwortete der Junge verschämt, er habe beim Spucken Frankreich mit seinen Händen verdeckt, um es zu schützen.

Das besondere Verhältnis des Russen Tschaikowsky zu Frankreich, dem Land, das er liebte, sollte sich später in vielerlei Hinsicht kompositorisch niederschlagen – auch in der Wahl des Sujets seiner 1881 uraufgeführten großen romantischen Oper «Die Jungfrau von Orléans». Wobei einschränkend hinzuzufügen wäre, dass zur Entstehungszeit eine künstlerische Auseinandersetzung mit der historischen Figur der Jeanne d’Arc nicht mehr als Ausweis ausgeprägter Frankophilie gelten konnte. Längst handelte es sich um vielfach adaptierten Stoff der Weltliteratur.

Dass man sich in Erfurt für die diesjährigen DomStufen-Festspiele des selten gespielten Werkes angenommen hat, ist nicht nur verdienstvoll, sondern in einer gewissen Traditionslinie zu verstehen: Bereits 1961 war Schillers Drama von der ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Werner Kopfmüller

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