Cavalieris «Rappresentazione di Anima et di Corpo» in Berlin
Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle, Leben und Tod, Anfang und Ende der Schöpfung.
Den dunklen Geist der katholischen Restauration, dem Emilio de’ Cavalieri in seiner zum Heiligen Jahr 1600 komponierten oratorischen Handlung «Rappresentazione di Anima et di Corpo» huldigte, hält Freyer uns freilich mit sternfunkelnder Zirkusmagie vom Leib. Eineinhalb Stunden scheint die Zeit angehalten, auf jenen ewigen «Uranfang» zurückgestellt, über den man nur in Rätselbildern und in der Sprache der Musik fabulieren kann. An den Seiten und ganz hinten kauern die Instrumentalisten der Akademie für Alte Musik, dazwischen Mitglieder des Staatsopernchors, Pantomimen und die Solisten – Marie-Claude Chappuis als vokal im frühbarocken Umfeld etwas heimatlose Anima, Johannes Weisser als pfeilwunder Corpo (Foto) mit edel leuchtendem Passionsbariton oder der basstrunkene Marcos ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Albrecht Thiemann
Man reibt sich die Augen, wenn man Antonio Ghislanzonis Libretto «Salvator Rosa» (1874) liest. Die Revolutionsgeschichte des historisch beglaubigten Malers Salvator Rosa, den es 1647 in den neapolitanischen Fischeraufstand unter Masaniello verschlägt (siehe «Die Stumme von Portici»), beginnt wie «Tosca», ähnelt dann eine Zeit lang Verdis «Don Carlo»...
Antonín Dvorák durchlebte in seinen drei überaus erfolgreichen und fruchtbaren Jahren in Amerika auch eine Phase der Depression, die auf finanzielle Sorgen (infolge einer Wirtschaftskrise blieben seine Honorare aus) und Todesfälle im Freundes- und Familienkreis zurückzuführen war. Hinzu kamen Anfälle von Heimweh. Dies alles veranlasste den gläubigen Komponisten,...
In der Wüste bekommt man schnell ein Gefühl dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Meinungsvielfalt und Streitlust schmelzen unter der erbarmungslosen Sonne hinweg, die Wüste zwingt zu klaren Entscheidungen. Nicht ohne Grund ist hier der Monotheismus entstanden, der nur einen Gott zulässt. Die Wüste fördert Konzentration und Klarheit des Geistes. So gesehen ein...
