Bürgerhölle
Ein letzter, hochhackig stöckelnder Gang über die Bühne. Kerzengerade, wie immer mit durchgedrücktem Rücken. Das plötzliche winzige Straucheln von Geneviève, das sofortige Rückerobern der Haltung verrät mehr, als ihr lieb ist und als sie sich sehend eingestehen will. Die Katastrophe ist nämlich längst da. Auf der Bühne kleine Schneewehen, in einer liegt der tote, halbnackte Pelléas, während Golaud eine Frau betrauert, die nicht allein wegen ihres knappen blauen Kleidchens noch nie in diese Großbürgerhölle zu passen schien.
Ein leises, schleichendes Unheil ist über diese Familie gekommen. Ein Schicksal, das sich ohne symbolistische Überwürze, ohne Regie-Strichliste aus der Tiefenpsychologie offenbart. Vor diesem Hintergrund ist Yona Kim am Theater Augsburg eine starke Aufführung von Debussys «Pelléas et Mélisande» gelungen. Interessanterweise mit einem Bühnenbildner, mit Christian Schmidt, der dasselbe Opus in Frankfurt mit Claus Guth vor eineinhalb Jahren in eben jenen befrachtenden Hypersymbolismus gleiten ließ.
Der Einheitsraum des Augsburger «Pelléas», ein karger Salon aus den Sechzigerjahren mit Chaiselongue, Tisch, Stühlen und schwer nach Wasser dürstender Zimmerpalme, ist ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Markus Thiel
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