Loslassen lernen

Vor Kurzem hat ANDIRS NELSONS seine Amtszeit beim Boston Symphony Orchestra begonnen, in der kommenden Spielzeit wird aus dem Music Director Designate der reguläre Chef. Weltweit strecken die Klangkörper ihre Fühler nach ihm aus, einschließlich der Berliner Philharmoniker. Doch der 35-Jährige, der mit der Sopranistin Kristine Opolais verheiratet ist, gibt sich nicht als Karrierist.

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Sie dirigieren 2016, nach «Lohengrin», Ihre zweite Festspiel-Premiere in Bayreuth: «Parsifal». Mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks haben Sie gerade den dritten Akt konzertant aufgeführt. Ein Testlauf?
In solchen Kategorien denke ich eigentlich nicht. Wir haben nach einer Möglichkeit für konzertante Oper gesucht und sind irgendwann auf «Parsifal» ­gekommen, wobei eine komplette Aufführung zu lang und zu aufwändig ­geworden wäre. Ich liebe Wagner. Und gerade dieses Stück ist genial, egal, wo man es spielt.

Natürlich habe ich auch Bayreuth im Hinterkopf. Aber einfach, weil es ein Traum für fast jeden Dirigenten ist, dort im Graben zu stehen.

Christian Thielemann sagte einmal, den «Parsifal» hebe er sich in Bayreuth für später auf, das solle das letzte Stück sein, das er dort dirigiere. Er hat seinen Vorsatz bekanntlich gebrochen. Ist es ein Klischee, dass man für dieses Werk oder auch etwa für Bruckners Symphonien ein bestimmtes Alter, eine gewisse Reife haben muss?
Die Frage stellt sich nicht nur mir ständig: Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, ein bestimmtes Stück oder einen bestimmten Komponisten zu dirigieren? Das betrifft übrigens auch Brahms- und ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel

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