Bücherwurm und Lustmolch
Marguerites Frauenarzt desinfiziert sich vor der Sonografie schnell noch die Hände und setzt sich eine Maske auf; später irrt die junge Frau durch die Gänge der Pariser Metro, wo die allen Hauptstädtern bekannten blau-weißen Aufkleber zur sozialen Distanzierung mahnen. Tobias Kratzers Inszenierung von Charles Gounods «Faust» an der Opéra Bastille spielt im Hier und Jetzt der Handvoll geladener Gäste, deren versprengte Präsenz den Riesensaal noch leerer erscheinen lässt. Und sie spielt im Pariser Großraum, im Jahr zwei der Pandemie.
Am Vorabend des jüngsten Lockdowns, der über ein Drittel des Landes verhängt wurde (darunter die Hauptstadtregion), durften ein paar Glückliche am 19. März der Premiere einer Produktion beiwohnen, deren Bestimmung von vornherein die Übertragung in Radio, Fernsehen und dereinst im Kino sein sollte – Frankreichs Theater sind seit Ende Oktober geschlossen und dürften es auf absehbare Zeit bleiben.
Die Aktualisierung des vage im deutschen Spätmittelalter angesiedelten Stoffs, die der 41-jährige Regisseur vornimmt, ist gut durchdacht und gut gemacht. Faust steht, durch einen Schauspieler verkörpert, zu Anfang als Double im Pensionierungsalter auf der Bühne. ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Marc Zitzmann
Die Aufmachung und das Papier, die Schrifttype und die Farbgestaltung hätten wohl dazu geführt, dass ich dieses Buch nicht genauer gelesen hätte, zu sehr erwartete ich einen Band, der lediglich einige Klischees bedienen würde, ohne eine gewisse Tiefe zu erreichen. Hinzu kam: Ein vermeintliches Sammelsurium, das fünf Essays über Aufführungspraxis, neun Interviews...
München | Gärtnerplatz
«PRIMADONNEN»
Eine Primadonna pro Theater genügt. Zwei sind schon zu viel. Drei eine Katastrophe. Aber was ist, wenn gleich vier Diven diesen Titel für sich beanspruchen? Eigentlich müsste in einem solchen Fall die Bude brennen. Tut sie aber nachweislich nicht, jedenfalls nicht im Münchner Gärtnerplatztheater, wo man sich die geballte vokale...
Für Catherine Clément war die Sache eindeutig. «Besiegt, verraten und verkauft» untertitelte die französische Feministin und Philosophin ihr Buch über «Die Frau in der Oper» aus dem Jahr 1992. Und lag damit grosso modo absolut richtig. Wohin das Auge schaut, das Ohr hört, der Geist sich wendet – in den meisten Fällen betraten Frauen seit Erfindung dieser Gattung...
