Ein-Blicke

Spielen dürfen sie, wenn überhaupt, nur vor leer gefegtem Saal und laufenden Kameras. Dennoch proben viele Opernhäuser unverdrossen und mit nicht nachlassender künstlerischer Intensität weiter und präsentieren die Ergebnisse dieser Proben­prozesse via Streaming-Service. «Opernwelt» dokumentiert in loser Folge einige Ausschnitte dieser wichtigen Arbeit

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München | Gärtnerplatz
«PRIMADONNEN»

Eine Primadonna pro Theater genügt. Zwei sind schon zu viel. Drei eine Katastrophe. Aber was ist, wenn gleich vier Diven diesen Titel für sich beanspruchen? Eigentlich müsste in einem solchen Fall die Bude brennen. Tut sie aber nachweislich nicht, jedenfalls nicht im Münchner Gärtnerplatztheater, wo man sich die geballte vokale Frauenpower des Hauses gönnte, um eine Tour d’Horizon durch die Opernliteratur zu unternehmen. Die Damen tragen Rot, das passt.

Rot ist die Farbe der Liebe, sie ist die Farbe des Todes und des Feuers. Rot ist alles, was uns anzieht, so oder so. Die vier Sängerinnen mit dem untrüglichen Gespür für Dramatik verknüpfen die Assoziationen geschickt mit ihren luziden Stimmen, und wir wären unklug, würden wir verraten, welche von ihnen uns am meisten beeindruckt hat – die tragische, die lyrisch-elegische, die komische oder die melancholische. Sagen wir es einfach so: Sie waren alle wunderbar. Jede der vier Primadonnen gebot über eine Timbre, vor dem ein jeder Opernliebhaber niederknien müsste. Und jede von ihnen trug ein Kleid, das sie in voller Schönheit erblühen ließ. Vier Primadonnen? Ach! Kein Problem!

Köln | Oper
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jürgen Otten

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