Brillant
Die Hölle, das sind für den lärmempfindlichen Admiral Sir Morosus die Anderen. Der geliebte Neffe hat die Juristerei an den Nagel gehängt und sich eine Operntruppe nebst singender Gattin Aminta angelacht. Woraufhin der empörte Onkel ihn enterbt und seinen Lebensabend mit einer schweigsamen Frau verbringen will.
Als brachiale Rosskur für den Alten wird eine tönende Höllenmaschine in Gang gesetzt: Ausgerechnet Aminta wird ihm als Ehefrau untergeschoben, die sich natürlich als alles andere als schweigsam entpuppt; zusätzlich treibt ihn die Truppe mit einem lärmend bösen Umer -ziehungsprogramm in den Nervenzusammenbruch.
Was Richard Strauss und sein Textdichter Stefan Zweig aus Ben Jonsons elisabethanischer Komödie «Epicoene or The Silent Woman» gemacht haben, war eigentlich schon im Uraufführungsjahr 1935 ein Beitrag zu einer Postmoderne avant la lettre: In einer Oper wird die Oper selbst zum Folterinstrument. Nach nur wenigen Vorstellungen wurde das Stück, das mittels Collage- und Zitattechniken eine Komödie aus alten Tagen in die Moderne geholt hatte, wegen des jüdischen Textdichters von der Bühne verbannt.
Mariame Clément inszeniert es nun am Badischen Staatstheater mit filmischer ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Bernd Künzig
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Es ist außerordentlich vorteilhaft, wenn ein Opernhaus über eine hauseigene Barock-Combo verfügt, um Werke «Alter Musik» aufzuführen. Das Opernhaus Zürich hat das Orchestra La Scintilla, das, auf historischen Instrumenten, den Begriff eigentlich herrlich konterkariert: Nichts ist da alt, sondern alles umwerfend frisch. Und somit ein großes Vergnügen, es mit Rameaus...
Mozarts und Da Pontes Anti-Held – ist er ein erotischer Wüstling und Anarchist oder doch bloß Projektionsfläche seiner geschändeten Frauen? Am Staatstheater Kassel wird das zunächst nicht thematisiert. Denn im Fokus steht erst einmal die «Raumbühne» des Opernhauses. Hier dürfen Don Giovanni und seine Crew auftrumpfen oder müssen sie untergehen. Hausszenograf...
