Blutrache

Verdi: Il trovatore
Erfurt | Domstufen-Festspiele

Man kennt es: Ein Film läuft, das traurige Ende ist bekannt. Dennoch ist da die widersinnige Hoffnung, das Blatt werde sich noch wenden. Ganz ähnlich verhielt es sich bei der «Troubadour»-Premiere der Domstufen-Festspiele in Erfurt. Schon die Prognosen waren mäßig. Das Wetterradar zeigte riesige Regenwolken, von Süden herannahend. Die Theaterleitung hatte für den Fall, dass das Wasser wirklich kommt, verschiedene Szenarien vorbereitet – Teile von Verdis Werk herauszustreichen oder die Vorstellung konzertant stattfinden zu lassen.

Die Möglichkeit, ins nahe Theater umzuziehen, bestand nicht. 2000 Plätze gibt es auf dem Domplatz, 800 im Theater.

Schon zu Beginn sitzen die Zuschauer auf der langen, hochgezogenen Tribüne unter tiefhängender Wolkendecke. Aber das interessiert, richten sich die Augen nach vorne, kaum mehr – zu  gewaltig ist die Kulisse des Doms. Von Menschenhand gebaut, um Menschen Ehrfurcht zu lehren. Das Bühnenbild von Hank Irwin Kittel wächst  aus dem Kirchenbau geradezu heraus. Ein Aquädukt, scheinbar aus demselben Sandstein, zieht sich vom ersten Absatz der Domstufen hinüber zum großen, aus Holz gezimmerten Spielplateau  unter dem Hohen Chor des Doms. Das Orchester ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Nora Sophie Kienast

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