Blindes Schicksal
Deutscher Wald. Finstere Schlucht. Darin ein Jägersmann, der seine Braut bei einem Wettschießen gewinnen muss und sich mangels Treffsicherheit auf einen Deal mit dem Teufel Samiel einlässt, um einen Freischuss zu ergattern. Sünde, Sühne, Todesangst. Ein heilig-frommer Eremit, der das Böse bannt und die jungfräuliche Verlobte rettet. Dazu lange Sprechpassagen in schönster Singspieltradition. Webers «Freischütz» ist schon harter Tobak für ein Publikum, dem die deutsche Romantik fremd ist.
Nicht von ungefähr steht das Stück außerhalb der deutschsprachigen Länder selten auf dem Spielplan. Ist es jenseits von Rhein und Oder überhaupt noch vermittelbar?
Aber ja, meint Kasper Holten – und bekräftigt das mit einer packenden Neuinszenierung des «Freischütz» am Königlichen Opernhaus in Kopenhagen. Natürlich hatte auch Holten so seine Zweifel, ob man die von Johann Friedrich Kind getextete Story einem dänischen oder – in der kommenden Saison an Holtens Stammhaus Covent Garden – einem englischen Publikum zumuten kann. Also legte er Hand an.
Zum einen hat er die gesprochenen Dialoge auf ein handlungsrelevantes Minimum zusammengestrichen. Das Ganze dauert jetzt gerade mal zwei Stunden. Zum ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Andreas Bücker
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