Blicke in den menschlichen Abgrund
Moderne Technik macht‘s möglich: Jahrzehntealte, aufwändige Fernseh-Opern-Produktionen der BBC, die so marode waren, dass sie nicht gesendet werden konnten, sind nach Restaurierung des Materials in exzellenter Bild- und Tonqualität nun auf DVD erhältlich. «Billy Budd» wurde 1966 in Schwarz-Weiß und mit mehreren Kameras gedreht, die sich in einem originalgetreu nachgebauten Schiff zwischen Ober-, Zwischen- und Unterdeck in verschiedenen Perspektiven frei bewegen und dabei ausdrucksstarke Bilder einfangen. Gesungen wird live, das Orchester spielt in einem benachbarten Studio.
Basil Colemans Bühnen- und Bildregie ist erstaunlich unkonventionell und hat nicht nur die Solisten, sondern jeden einzelnen Chorsänger zu differenzierter Mimik inspiriert. Dem 38-jährigen Peter Glossop glaubt man in Timbre, Erscheinung und Spiel den jungen, naiven, bei allen beliebten Titelhelden. Dagegen wirkt Michael Langdons stoische Miene und Stimme als intriganter Claggart, der sein heimliches Begehren für Billy in tödlichen Hass verwandelt, umso bedrohlicher. Ein vokal wie darstellerisch vielschichtiges Rollenporträt zeichnet Peter Pears: Eindrücklich verkörpert er die für den Captain Vere ...
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Die Bilanz, die der französische Musikwissenschaftler Benoit Dratwicki im Booklet von Hervé Niquets Einspielung der «Proserpine» zieht, ist ernüchternd. Trotz der Begeisterung, die William Christies Produktion des «Atys» 1987 ausgelöst habe, hätten die Opern Jean-Baptiste Lullys bislang noch immer nicht zu breiterer Anerkennung gefunden. Immer noch würden einige...
Der Titel sticht ins Auge, noch bevor die Ohren angeschaltet sind. «Gods, Kings & Demons» – so prangt, neben kosmisch-solarer Scheibe, das wohlgewählte Wort-Dreigestirn auf dem Booklet der ersten Soloaufnahme des deutschen Bassisten René Pape mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Sebastian Weigle. Es sei dies, erfahren wir dann von Pape, eine...
Es hätte so schön gepasst, sich als Rahmen für Hanno Buddenbrooks «Lohengrin»-Erlebnis das Jugendstil-Haus an der Beckergrube vorzustellen. Aber das Theater, von dem Thomas Mann in seinem berühmten Familienroman schreibt und in dem er selbst, wie er später in einem Aufsatz berichtet, in seiner Kindheit und Jugend in Lübeck eine Reihe von «zaubervollen Abenden»...
