Blicke in den menschlichen Abgrund
Moderne Technik macht‘s möglich: Jahrzehntealte, aufwändige Fernseh-Opern-Produktionen der BBC, die so marode waren, dass sie nicht gesendet werden konnten, sind nach Restaurierung des Materials in exzellenter Bild- und Tonqualität nun auf DVD erhältlich. «Billy Budd» wurde 1966 in Schwarz-Weiß und mit mehreren Kameras gedreht, die sich in einem originalgetreu nachgebauten Schiff zwischen Ober-, Zwischen- und Unterdeck in verschiedenen Perspektiven frei bewegen und dabei ausdrucksstarke Bilder einfangen. Gesungen wird live, das Orchester spielt in einem benachbarten Studio.
Basil Colemans Bühnen- und Bildregie ist erstaunlich unkonventionell und hat nicht nur die Solisten, sondern jeden einzelnen Chorsänger zu differenzierter Mimik inspiriert. Dem 38-jährigen Peter Glossop glaubt man in Timbre, Erscheinung und Spiel den jungen, naiven, bei allen beliebten Titelhelden. Dagegen wirkt Michael Langdons stoische Miene und Stimme als intriganter Claggart, der sein heimliches Begehren für Billy in tödlichen Hass verwandelt, umso bedrohlicher. Ein vokal wie darstellerisch vielschichtiges Rollenporträt zeichnet Peter Pears: Eindrücklich verkörpert er die für den Captain Vere ...
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«Città del festival» steht auf dem Ortsschild von Martina Franca. Zu Recht, denn eine Reise in das reizvolle Itria-Tal in Süditalien lohnt, weil man Werke hören kann, deren Titel man sonst, wenn überhaupt, nur aus Lexika kennt. Jeweils drei Opern stehen von Mitte Juli bis Anfang August für je zwei Vorstellungen unter freiem Himmel im Innenhof des Palazzo Ducale mit...
Die amerikanische Mezzosopranistin Grace Hoffman, die am 26. Juli 2008 im Alter von 82 Jahren in Stuttgart gestorben ist, war gewiss keine Künstlerin, die in die Annalen des Gesangs eingeht. Aber sie war eine Vertreterin jener im Zeitalter des musikalischen Jetsets rar gewordenen Spezies, die trotz aller internationalen Gastverpflichtungen über mehr als dreißig...
Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...
