Bittersüß, tränenfroh, glücksschwer
Wir meinen sie zu kennen. Halb Luder, halb Liebende. Mal femme fatale, mal femme fragile. Hier Luxusweib, dort Leidensfrau. Klar doch: Zwei Seelen wohnen, ach! in ihrer Brust; in rastlosem Dauerclinch, bis schließlich das Herz daran zerbricht – und das ihres mittellosen Galans gleich mit. So hat Abbé Prevost anno 1731 Manon Lescaut (und den Chevalier Des Grieux) in die Welt gesetzt, und so haben der irische Rossini-Adept Michael William Balfe (in «The Maid of Artois», 1836), Daniel-François-Esprit Auber (1856) und Jules Massenet (1884) sie für die Opernbühne übernommen.
Als bipolare Heldin einer Romanze mit tödlichem Ausgang. Doch was, wenn Manon nicht zwei, sondern viele ist? Eine multiple Kunstfigur, die, von Lebensgier und Liebesnot getrieben, ihr Ich aus Angst vor dem Sog maßloser Leidenschaften unter Puder und Pomaden, Rouge und Bleiweiß verbirgt? Wird zum modernen Beziehungsdrama dann die kitschverdächtige Story amouröser Irrungen und Wirrungen? Und deren Inszenierung zu einer Operation am offenen Herzen?
Bei Licht besehen, legt Puccinis neun Jahre nach Massenets Adaption in Turin uraufgeführte «Manon Lescaut» diesen Schluss nahe. Die episodische Struktur der auf vier Akte ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Frau He, Sie sind eine der ganz wenigen Chinesinnen, die es im internationalen Opern-Business bis ganz nach oben geschafft haben. Nur in Peking selbst sind Sie kaum präsent ...
Stimmt, ich bin China nicht so bekannt. Meine Karriere hat sich seit meinem Debüt an der Wiener Volksoper 2004 vor allem im Westen entwickelt. Ich bin es gewohnt, als einzige asiatische...
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht. Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in...
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten...
