Bittersüß meine Rache
Medea tanzt. Doch nicht im walzerseligen Dreiertakt schwebt die Zauberin über die Bühne. In ihrem heftigen Zucken wohnt der pure Zorn. Aber auch ein bisschen Traurigkeit und Verzweiflung. Denn diese Medea weiß sich (noch) keinen Rat, wie sie da durchs maschendrahtumhüllte Gehege fegt im güldenen Gewand (ist es womöglich mit dem Stoff jenes Goldenen Vlieses durchwirkt, für das sie zuvor mordete?), mit wild hinund herfliegendem Haar.
Vielmehr erinnert sie an den melancholischen Panther, wie ihn einst der Dichter Rilke besang: «Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, dass er nichts mehr hält. / Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe / und hinter tausend Stäben keine Welt. / Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, / der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, / in der betäubt ein großer Wille steht.»
Medea ist dieser «große Wille», seit Euripides, der sie als Bühnenfigur erschuf. Und schon bei diesem Dichter gilt sie als jene «Barbarin», von der sich das «zivilisierte» Volk abgrenzen kann, um bloß nicht in ihren Windschatten zu gelangen. Mit Medea muss und will man sich nicht identifizieren, sie steht für das Andere, ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 22
von Jürgen Otten
Drei Mal «La Bohème» binnen einer Woche, kann man das aushalten? Oder nervt das dritte «Che gelida manina …» womöglich schon? Um gleich Entwarnung zu geben: Belastungstests dieser Art sind sogar ungemein erhellend, denn in der hohen Schlagzahl schält sich so etwas wie ein heißer Kern des Werks an sich heraus, der aus Momenten besteht, die immer funktionieren, weil...
Auf unserm Hof daheim hört man die Gänse schrein, kräht auch der Hahn»: Vielleicht ist es schon im tschechischen Original nicht unbedingt die erhabenste Poesie, die der verdiente Max Brod hier auf Deutsch nachgebildet hat. Aber hört man die dazugehörige Musik in Jaromír Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» den Abend über als Leitmotiv eines ländlichen...
Zwei Fragen: Darf man das? Und die weit entscheidendere: Geht es auf? Ein paar Operationen en miniature sind dafür notwendig, die Eliminierung weiblicher Wortformen, vor allem die einer ganzen Figur. Arturo, Pflichtgatte von Lucia di Lammermoor und ohnehin kaum mehr als tenoraler Stichwortgeber, heißt jetzt Emilia und wird gesungen von der Mezzosopranistin Sara...
