Vor Sonnenuntergang
Sie waren sieben. Nein: acht. Einer überlebte. Der Vater. Alle anderen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263 in einem Versteck gehaust, eingesperrt zwischen Hoffen und Bangen, unter Umständen, die man mit dem Wort komfortabel wohl kaum beschreiben mag, aufeinander angewiesen, einander ausgesetzt, sekündlich mit der einen Frage konfrontiert: Erscheint das Grauen? Steht die Gestapo plötzlich vor der Tür? Oder schaffen wir es, einsam, zweisam, gemeinsam? Am 4. August 1944 hatten sie Gewissheit.
Man hatte sie verraten, ihr Weg führte direkt in die Hölle.
Das Tagebuch der Anne Frank, bis heute Schullektüre nicht nur in Deutschland, erzählt von dieser Zeit, erzählt davon aus der Perspektive eines Mädchens, das einerseits begreift, in welcher Situation sie selbst, ihre Schwester und ihre Eltern, das Ehepaar Auguste und Hermann van Pels, deren Sohn Peter und Fritz Pfeffer (dem Zahnarzt, mit dem Anne ein Zimmer teilt) sich befinden, und dennoch Raum hat für Schwärmereien, Sehnsüchte und melancholische Tagträume. Das Böse, es existiert, auch in seiner erschütternden Banalität, aber es gibt eben auch ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Jürgen Otten
Sie tun es alle irgendwann, und meistens mehrfach im Jahr. Am häufigsten vielleicht Frank-Walter Steinmeier und Olaf Scholz sowie die Fußballerinnen und Fußballer mit dem deutschen Adler auf der Brust. Und nicht nur sie; fast jeder Deutsche hat sich irgendwann mal an Haydns bekanntester Melodie versucht, der früheren Kaiserhymne und dem späteren Deutschlandlied....
Lustig immerhin ist die kleine Dichterstube, die sich kopfüber drehen kann, so wie es wohl im Haupte Hoffmanns rundgeht. Erst klebt er noch im Bett an der Wand, dann purzelt er fortwährend in seiner Genie-Box herum – vollumfänglich hat er die Gesetze der Schwerkraft doch nicht hinter sich gelassen. Das Lied vom Klein Zack wird frisch aus dem Typoskript ge -sungen,...
György Ligetis «Le Grand Macabre» ist der seltene und zudem höchst erfolgreiche Fall einer Buffa aus der Feder eines Avantgardisten. Die 1978 in Stockholm uraufgeführte musikalische Groteske vom Weltuntergang mit ihrem handfest-derben Libretto und den marionettenhaft überzeichneten Figuren wurde selbst an mittleren und kleinen Häusern gespielt – meist als Grand...
