Vor Sonnenuntergang
Sie waren sieben. Nein: acht. Einer überlebte. Der Vater. Alle anderen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263 in einem Versteck gehaust, eingesperrt zwischen Hoffen und Bangen, unter Umständen, die man mit dem Wort komfortabel wohl kaum beschreiben mag, aufeinander angewiesen, einander ausgesetzt, sekündlich mit der einen Frage konfrontiert: Erscheint das Grauen? Steht die Gestapo plötzlich vor der Tür? Oder schaffen wir es, einsam, zweisam, gemeinsam? Am 4. August 1944 hatten sie Gewissheit.
Man hatte sie verraten, ihr Weg führte direkt in die Hölle.
Das Tagebuch der Anne Frank, bis heute Schullektüre nicht nur in Deutschland, erzählt von dieser Zeit, erzählt davon aus der Perspektive eines Mädchens, das einerseits begreift, in welcher Situation sie selbst, ihre Schwester und ihre Eltern, das Ehepaar Auguste und Hermann van Pels, deren Sohn Peter und Fritz Pfeffer (dem Zahnarzt, mit dem Anne ein Zimmer teilt) sich befinden, und dennoch Raum hat für Schwärmereien, Sehnsüchte und melancholische Tagträume. Das Böse, es existiert, auch in seiner erschütternden Banalität, aber es gibt eben auch ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Jürgen Otten
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