Bitte nicht stören!
Gleich zu Beginn glitzern Silber-Pennies bei den quicken Streichern: Das reiche Erbe des alten Admirals Morosus liegt in Chemnitz tatsächlich «im Keller», nämlich im Orchestergraben. Was Generalmusikdirektor Frank Beermann der Robert-Schumann-Philharmonie während der vorletzten Premiere der Spielzeit an verschmitztem Spielwitz entlockte, brachte das Publikum zum Schwärmen.
Rudolf Rischer hat für die «Schweigsame Frau» ein behagliches Wohlfühl-Bühnenbild gebaut.
Ein etwas angejahrter Admiralspalast wird dort von Haushälterin Theodosia Zimmerlein entstaubt (seit fast dreißig Jahren in Chemnitz engagiert: Monika Straube). Und die Regie (Gerd Heinz) plaudert fast zu viel aus: Alle Akteure sind immer sichtbar, sogar der Überraschungsbesuch wird schon entdeckt, bevor er überhaupt angeklopft hat. Das Licht führt, sehr geschickt, Holger Reinke: Er schafft ein Gefühl für Zeit und Raum außerhalb der vom Hausherrn regierten Ruhezone.
Es sind die in Stefan Zweigs Libretto kunstvoll arrangierten Pointen, die immer wieder für Gekicher im Saal sorgen, weniger die etwas schwergängige Inszenierung. Es dauert ein bisschen, bis die Figuren ihre komischen Seiten offenbaren. Die linkischen ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Martin Morgenstern
Das Buch ist ein Welterfolg. Gerade 31 Jahre alt, veröffentlichte die finnische Autorin Sofi Oksanen 2008 ihren Roman «Puhdistus», zu Deutsch «Fegefeuer». Mittlerweile ist er in 43 Sprachen übersetzt. In ihrem Heimatland hat er alle wichtigen Literaturpreise gewonnen, in den skandinavischen Ländern und Frankreich wurde er mehrfach ausgezeichnet, auch in Deutschland...
Der Konflikt zwischen Trieb und Vernunft ist für die Barockoper paradigmatisch, und er wird allemal zugunsten der Vernunft entschieden. Nicht anders in Händels «Orlando». Die Geschichte vom «Rasenden Roland» – nach dem Versepos des Ariost von 1532 – stellt aber insofern eine Besonderheit dar, als sie das ungeordnet Triebhafte bis ins Extrem manifesten Wahnsinns...
Zu Beginn trollt sich einer über eine hohe Treppe in den Orkus. Unvermittelt denkt man an den lokalen Heros der unterirdischen Kanalwelt, den Dritten Mann. Doch das hier ist nicht Harry Lime, und es sind auch nicht Anton Karas’ Zitherklänge, die wir hören. Sondern Streicherflirren, Hörner, ein markantes Posaunensolo und wenig später einen prächtigen Chor, der «den...
