Der Gesamtkünstler
Bei den Bayreuther Festspielen hat Christoph Schlingensief 2004 die Optik revolutioniert. Weil er sich nicht bemühte, den «Parsifal» irgendwie neu oder originell zu deuten. Weil er auf alle herme-neutischen Umarmungen des «Bühnenweihfestspiels» pfiff. Weil seine Bühnenräume zum großen und entscheidenden Teil virtuell waren. Weil er nicht eine vorgegebene Geschichte erzählte, sondern viele, sich widersprechende und nicht vorgegebene. Weil er seine Rituale nicht aus dem Mythos oder der christlichen Ikonografie bezog, sondern interkulturell.
Kann man beschreiben, wie Schlingensief arbeitete? Wie er war? Und wie die Ergebnisse seiner Arbeit waren?
Im August 2010 ist er gestorben; im April 2011 fand in Wien ein fünftägiges Symposion statt, das dem «Gesamtkünstler» Schlingensief gewidmet war. Organisiert hat es (noch zu seinen Lebzeiten) das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum der Universität Wien, auf dessen Namensgeberin er sich vielfach bezog. «Sie waren sich zu nah und zu fern zugleich», bilanziert Joachim Lux im jetzt vorliegenden Symposionsbericht. Das Buch ist der erste umfassende Versuch einer wissenschaftlichen Darstellung von Schlingensiefs Arbeit und Ästhetik. Es bietet die ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Medien CDs/DVDs/Bücher, Seite 23
von Stephan Mösch
Drei DVD-Produktionen von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» sind jetzt fast gleichzeitig auf den Markt gekommen – ein Beweis dafür, welchen Stellenwert diese frühe Oper seit Harnoncourts und Ponnelles Zürcher Pioniertat im Repertoire der großen internationalen Opernhäuser mittlerweile einnimmt.
Bereits 1997 brachte David Alden seine Inszenierung bei den...
Da ist nachgedacht worden. Man merkt es dem Programmbuchgespräch an, dass Regisseur David Pountney über die komplizierte Editionslage von Alexander Borodins «Fürst Igor» Bescheid weiß. Denn: Verworren ist das Wenigste, was man darüber sagen kann. Gerade mal 185 der 710 Partiturseiten sind O-Ton-Borodin. Mindestens 60 Prozent der Fassung, die Nikolai Rimsky-Korsakow...
Herr Hampson, singt ein prononcierter Liedsänger wie Sie Opern anders?
Mag sein. Wahr ist, dass ich vom Liedgesang viel gelernt habe, zum Beispiel musikalische Ruhe und Ausgeglichenheit herzustellen, ebenso Innerlichkeit, auch das Ausspinnen eines Erzählfadens. Ich bin übrigens auch ein Verteidiger von Dietrich Fischer-Dieskau. Wir sollten nicht so obergescheit sein...
