Billigware
Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem Haus seit Langem gesehen und gehört hat.
Die musikalisch geistsprühende Farce vom Grafen Ory, der, um erotisch zum ersehnten Ziel bei der Gräfin Adèle zu gelangen, sich erst der Maskerade eines Eremiten und dann einer Nonne bedient, strandet in Igor Bauersimas Inszenierung bei der Klamotte. Außer einem glitzernden Bühnendesign – im ersten Akt ein Rummelplatz mit sich drehender Spiegelbox, im zweiten ein Wellness-Studio samt Swimmingpool – ist dem hier in der Oper debütierenden Schweizer Multitalent nichts eingefallen. Statt die Figuren zu verlebendigen, also Regie zu führen, setzt er auf billigste Gags, schiebt den Chor hilflos herum, lässt die Handlung von einer Nummer in die nächste plumpsen und konzentriert sein ganzes Bemühen auf läppische Videospielchen rund um den Bühnenrahmen und das virtuelle ...
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