Billigware
Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem Haus seit Langem gesehen und gehört hat.
Die musikalisch geistsprühende Farce vom Grafen Ory, der, um erotisch zum ersehnten Ziel bei der Gräfin Adèle zu gelangen, sich erst der Maskerade eines Eremiten und dann einer Nonne bedient, strandet in Igor Bauersimas Inszenierung bei der Klamotte. Außer einem glitzernden Bühnendesign – im ersten Akt ein Rummelplatz mit sich drehender Spiegelbox, im zweiten ein Wellness-Studio samt Swimmingpool – ist dem hier in der Oper debütierenden Schweizer Multitalent nichts eingefallen. Statt die Figuren zu verlebendigen, also Regie zu führen, setzt er auf billigste Gags, schiebt den Chor hilflos herum, lässt die Handlung von einer Nummer in die nächste plumpsen und konzentriert sein ganzes Bemühen auf läppische Videospielchen rund um den Bühnenrahmen und das virtuelle ...
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Nach Tommaso Traettas »Sofonisba» (siehe OW 4/2006) und Niccolò Piccinnis »Catone in Utica» (siehe OW 4/2007) erinnert Mannheim zum dritten Mal an die große Zeit der kurpfälzischen Hofoper unter Kurfürst Karl Theodor. Diesmal fiel die Wahl auf den 1766 uraufgeführten «Alessandro» von Gian Francesco de Majo. Wie Piccinni, Traetta und Gluck gehörte der 1770...
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer...
