Bildungssgesättigt und dennoch anschaulich
Melanie Unseld, Musikwissenschaftsprofessorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, beginnt ihr Buch «Musikgeschichte ‹Klassik›» – klassisch. Und zwar mit einer Problematisierung des «Klassik»-Begriffs, ganz im Sinne von Musikgeschichtskapazitäten wie Carl Dahlhaus und anderen.
Das hat zunächst etwas von der Steifheit und Hermetik einer Musikgeschichtsvorlesung, die dem Ruf nach niedrigschwellig-musikvermittlerischer Sprache auch in der akademischen Musikwissenschaft nicht folgt: Begriffe treffen im Grunde nie die jeweilige, ohnehin kaum in Worte zu fassende Quintessenz von Stilistiken, Gattungen – und werden (wie schon der titelgebende Topos «Klassik») auch kaum einer Unzahl von Werken einer Epoche «gerecht», die in ihren Übergängen («vorne» der Empfindsame und der Mannheimer-Raketen-Stil, «hinten» die durch E.T.A. Hoffmanns legendäre Rezension von Beethovens Fünfter sich bahnbrechende «Romantik») zudem gnadenlos «ausgefranst» erscheint.
Etwas zu lang gerät der einleitende Teil, der vor allem den Kolleginnen und Kollegen der eigenen Disziplin in dem Sinne gewidmet ist, als dass Unseld sich hier ausgiebig für gewisse Leerstellen entschuldigt. Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Arno Lücker
Alpha
06.11. – 21:45 Uhr
Leonidas Kavakos spielt Beethoven Leonidas Kavakos gehört zur Weltspitze der Violinisten. Man rühmt seine makellose Technik, sein tiefgründiges musikalisches Verständnis, seine einzigartige Klangqualität und sein höchst virtuoses Spielniveau. Der vielfach gefragte italienische Pianist Enrico Pace teilt mit Kavakos, neben seiner Arbeit mit...
Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» gehört zu den Werken, deren Rezeptionsverlauf von den Einschlägen der Zeitgeschichte schwer getroffen wurde. Als Korngold das Werk im Alter von 23 Jahren schrieb, war er ein erwachsengewordenes Wunderkind, das imstande gewesen wäre, sich dauerhaft mit Richard Strauss und Giacomo Puccini zu messen, hätten ihn nicht die...
Es ist wohl ein anderer Krieg, den Russland da führt, nicht dieser jetzt. Die Nachrichten von der fernen Front kommen aus dem Transistor, man muss sie durch das Rauschen dechiffrieren, auch die martialischen Ansagen dressierter Kindersoldaten an die Feinde des Vaterlands. Das von Pola Kardum in das Alltagsbunt der vielleicht 1970er-Jahre gekleidete Frauenvolk hält...
