Bildungssgesättigt und dennoch anschaulich
Melanie Unseld, Musikwissenschaftsprofessorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, beginnt ihr Buch «Musikgeschichte ‹Klassik›» – klassisch. Und zwar mit einer Problematisierung des «Klassik»-Begriffs, ganz im Sinne von Musikgeschichtskapazitäten wie Carl Dahlhaus und anderen.
Das hat zunächst etwas von der Steifheit und Hermetik einer Musikgeschichtsvorlesung, die dem Ruf nach niedrigschwellig-musikvermittlerischer Sprache auch in der akademischen Musikwissenschaft nicht folgt: Begriffe treffen im Grunde nie die jeweilige, ohnehin kaum in Worte zu fassende Quintessenz von Stilistiken, Gattungen – und werden (wie schon der titelgebende Topos «Klassik») auch kaum einer Unzahl von Werken einer Epoche «gerecht», die in ihren Übergängen («vorne» der Empfindsame und der Mannheimer-Raketen-Stil, «hinten» die durch E.T.A. Hoffmanns legendäre Rezension von Beethovens Fünfter sich bahnbrechende «Romantik») zudem gnadenlos «ausgefranst» erscheint.
Etwas zu lang gerät der einleitende Teil, der vor allem den Kolleginnen und Kollegen der eigenen Disziplin in dem Sinne gewidmet ist, als dass Unseld sich hier ausgiebig für gewisse Leerstellen entschuldigt. Ein ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 36
von Arno Lücker
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