Biedere Anzüglichkeit
Ob dieses Stück seit seiner Uraufführung 1995 wirklich bereits fünfzig Neuinszenierungen erlebt hat, wie gesagt wird? Denkbar wäre es schon. «Powder her Face» hat alles, was eine neue Oper braucht, um in die Stadttheater zu drängen. Einen schnellen, nachvollziehbaren Plot, etwas Humor, etwas Tragödie, etwas Wahrheit, brillante Gesangspartien, wenig Irritationen und für die Regie die Chance zu ein paar Anzüglichkeiten, inklusive zweier auskomponierter Koitusse.
Verlockt hat das nun auch die Bonner Oper, die sich mit ihrer verdienten Reihe «bonn chance» längst mit dem Rücken an der Wand sieht: Die drastischen Budgetkürzungen, die kamen und noch kommen, drücken in die Defensive. Während man im Großen Haus das altbekannte Kernrepertoire unter Besitzstandswahrung nimmt, darf das wenige, das außerhalb überhaupt noch produziert werden kann, partout nicht mehr floppen. Für eine Reihe, die sich das «experimentelle Musiktheater» auf die Fahnen geschrieben hat, eine denkbar schlechte und die Idee vom «Experiment» schlichtweg sabotierende Lage.
«Powder her Face» also hält die Spielregeln ein, und Bonn gewinnt – am Premierenabend zumindest – den Beifall des Publikums. Worum geht's? Der ...
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Ist es Zufall, Schicksal, gar Fügung? Jedenfalls ist da schon wieder einer mit diesem Vornamen: Sebastian. Kein Heiliger, gewiss nicht, aber das sind auch die beiden anderen Schauspiel-Regisseure nicht, die dabei sind, das Musiktheater zu revolutionieren, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Und fast scheint es, als ob die Gattung Oper, soeben vierhundert...
Zum Kernrepertoire der Met zählt «Die ägyptische Helena» nicht gerade. Man muss bis 1928 zurückgehen, um auf die letzte Aufführung zu stoßen. In der Kritik hagelte es damals Verrisse, und an dieser Reserve hat sich in New York bis heute, da das Stück für Deborah Voigt wieder ausgegraben wurde, nichts geändert. Voigt ist eine Helena, die einem alten Film entstiegen...
Die Edition Günter Hänssler hat mit ihrer Sammlung historischer Aufnahmen der Staatskapelle Dresden, in der die Oper eine wichtige Nebenrolle spielt, neue Standards gesetzt und nun mit der 16. und 19. Folge wahrhafte Schatzgräberarbeit geleistet: Die komplette «Katja Kabanova» von 1949 und der Querschnitt von Dvoráks «Der Jakobiner» sind zuvor noch nie...
