Beziehungsprobleme
Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der Tradition treu, als er die Schwesterwerke dem italienischen Filmemacher und Regisseur Mario Martone anvertraute. Anders verfuhr er nun in Paris, von der Mailänder Produktion wurde nur «Cavalleria» übernommen.
Diesmal war das realistische sizilianische Rachedrama, Inbegriff des italienischen Verismo, mit einem Stück des deutschen Expressionismus’, mit Paul Hindemiths «Sancta Susanna» verklammert; auch dafür zeichnete Martone verantwortlich. Hindemiths 1922 uraufgeführtes Jugendwerk ist noch nie an der Pariser Oper gespielt worden, doch diese Paarung wirft natürlich Fragen nach dem (möglichen) dramaturgischen Zusammenhang auf.
In Lyon hat Serge Dorny vor vier Jahren mit blendendem Erfolg bewiesen, dass Puccinis «Trittico» und Einakter aus der deutschen Moderne bestens zueinander passen. Damals wurde «Sancta ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Christian Merlin
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln...
Es ist misslich, wenn ein Stück als Spielmaterial für die Einfälle des Regisseurs gebraucht wird. Während der länger als vier Stunden dauernden Aufführung von Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» in der Deutschen Oper Berlin wurde es zunehmend mühsamer, hinter den nach dem Prinzip von Show & Entertainment arrangierten Einfällen des britischen Regisseurs David...
Liebe, so befand Stendhal, beginne mit Verwunderung. Welche der vier antiken Grundarten dieser schönsten aller Lebensformen der französische Romancier und Essayist damit im Sinn hatte – ob Philia oder Agape, Storge oder Eros –, das präzisierte er nicht; wir dürfen allerdings davon ausgehen, dass er platonisches und erotisches Ideal in eins setzte, darin Mozart...
