Stimme der Spätromantik
Mit jedem Werk, das von Walter Braunfels (1882-1954) eingespielt wird, erweitert sich unsere Kenntnis vom Schaffen dieses Komponisten, der 1933 von den Nazis als Halbjude verfemt wurde und nach 1945 wegen seines Stilkonservativismus erneut ins musikpolitische Abseits geriet. Vereinzelte Aufführungen, zuletzt seines epischen Musiktheaters «Jeanne d’Arc» in Köln (siehe OW 4/2016), können nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Musik im Opern- wie im Konzertbetrieb noch immer unterrepräsentiert ist.
Wer Braunfels kennenlernen will, ist daher weitgehend auf Einspielungen angewiesen.
Nach den in seinem Œuvre eher randständigen Klavierliedern (siehe OW 6/2016) liegen jetzt auf zwei CDs auch die Orchesterlieder vor. Braunfels hat diesem gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommenen und hauptsächlich von den Spätromantikern gepflegten Genre mehrere Zyklen gewidmet, die er übrigens mit einer Ausnahme stets «Gesänge» nennt und die fast die gesamte Dauer seines Schaffens überspannen. Die Vorlagen huldigen mit chinesischen und japanischen Umdichtungen des durch Mahlers «Lied von der Erde» zu Nachruhm gekommenen Hans Bethge dem Zeitgeschmack, schließen aber auch Gedichte ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Jubilare
Grace-Melzia Bumbry kam 1937 in St. Louis, Missouri, zur Welt. Nach dem Studium, u. a. an der Boston University und der Music Academy in Santa Barbara, gelang ihr rasch der internationale Durchbruch: 1960 sang sie in Paris die Amneris in Verdis «Aida» und wurde daraufhin von Wieland Wagner 1961 zu den Bayreuther Festspielen eingeladen, wo sie unter...
Schottisches Hochland auf der Leinwand – gemalt, bühnenfüllend. Von der Seite nähern sich drei schwarze Gestalten mit leichenblassen Masken: die Hexen. Ihre langen, knöchernen Finger deuten nach vorne, in die Zukunft. Paukengrollen. Die Gestalten verschwinden. Sie werden wiederkommen – und das Unheil mit ihnen.
Schon im ersten Bild von Donizettis «Lucia di...
Liebe, so befand Stendhal, beginne mit Verwunderung. Welche der vier antiken Grundarten dieser schönsten aller Lebensformen der französische Romancier und Essayist damit im Sinn hatte – ob Philia oder Agape, Storge oder Eros –, das präzisierte er nicht; wir dürfen allerdings davon ausgehen, dass er platonisches und erotisches Ideal in eins setzte, darin Mozart...
