Meistersinger
Es ist misslich, wenn ein Stück als Spielmaterial für die Einfälle des Regisseurs gebraucht wird. Während der länger als vier Stunden dauernden Aufführung von Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots» in der Deutschen Oper Berlin wurde es zunehmend mühsamer, hinter den nach dem Prinzip von Show & Entertainment arrangierten Einfällen des britischen Regisseurs David Alden eine klare Idee zu entdecken.
Er begnügt sich damit, aus dem gesellschaftlichen Spielplatz von Meyerbeers Geschichtsdrama über die Bartholomäusnacht von 1572 einen Privatspielplatz zu machen mit assoziativen Chiffren, die das Publikum zu enträtseln hat. So etwa, wenn er im ersten Akt bei der Festivität im Hause des Grafen Nevers die sich verlustierenden Gäste zu Offenbach-Marionetten macht; wenn er Riesenrösser auf die Bühne rollen lässt, die aus schwer erfindlichen Gründen von der Königin oder Raoul mit Hilfe einer klappernden Leiter bestiegen werden müssen; wenn im dritten Akt die Konfliktparteien nicht an der Seine und im Freien, sondern bei einem schein-ökumenischen Gottesdienst aufeinandertreffen; und schließlich, wenn es im vierten Akt ein Plakat mit der Aufschrift «Dieu le veut» braucht, um den ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Kesting
Filmmusik. Taucht dieser Begriff in einem Text über neues Musiktheater auf, verheißt er meist nichts Gutes. Als tönende Kulissenschieberei, schallende Konfektion, Klangware aus zweiter oder dritter Hand ist das Genre in der an Adorno geschulten Kulturkritik verpönt. Unter der Fahne des zur Norm erhobenen autonomen, zweckfrei-experimentellen Kunstwerks...
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Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
