Besichtigungen eines (Un)Glücks
Nein, die blaue Libelle fliegt hier nirgendwo hin. Wie auch, wo sie keine Flügel hat und weit und breit kein Gewässer zu sehen ist, stattdessen aber eine schäbige, mit Kritzeleien beschmierte Häuserfront im Dämmerlicht. An der lehnt, allein, einsam und nervös rauchend, die hinzuerfundene Mutter der Füchsin.
Augenblicklich wird klar, die «Libelle» (Alessia Aurora Rizzi) wartet an diesem unwirtlichen Ort, einem abgefuckten Amüsier -lokal mit dem Namen «Foxy’s», auf Kundschaft für ihren durch ein billiges, grünglitzerndes Minikleid nur spärlich verhüllten Körper, den sie benutzen und beschmutzen lässt, weil sie die Kohle braucht für das Heroin, das sie sich nach (unsichtbar) vollzogenem Geschlechtsakt in die Venen spritzt, um ein bisschen von jener Glückseligkeit zu empfinden, die ihr das Leben nicht zu bieten vermag.
Schon diese Eingangsszene lässt wenig Gutes hoffen. Und sehr bald wird auch deutlich, dass Peter Konwitschny für seine Inszenierung am Linzer Landestheater, zu der er selbst gemeinsam mit dem Dramaturgen Christoph Blitt eine neue deutsche Textfassung erstellt hat, auf Tiere gänzlich verzichtet. Janáčeks drittletzte Oper aus dem Jahr 1925 auf einen Bildroman, der weiland ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten, Gerald Felber, Markus Thiel
Von dem französischen Maler und Graphiker Pierre Soulages ist ein Satz überliefert, der in knapp-konzisen Worten das Selbstverständnis eines Künstlers beschreibt: «Es ist das, was ich mache, was mich lehrt, wonach ich suche.» Auch für Pascal Dusapin besitzt diese sublime Sentenz Gültigkeit; kaum zufällig stellte er sie seinem Essay «Das Empfindsame komponieren»...
Die «Così»-Phase hat man am Münchner Prinzregentenplatz schon lange hinter sich gelassen. Heißt: die Einstudierung von Hits, damit sich der Nachwuchs früh Repertoire draufschafft als Rüstzeug für spätere Engagements. Dies bedeutet aber auch: Wer an der Theaterakademie August Everding bei einem Opernprojekt auf der Bühne steht, kann normalerweise seine mühsam...
Wer ein Weltreich regiert, ist mitunter selten zu Hause. Für Philippe II. galt dies im Besonderen, der spanische König tat sich schwer, sein Imperium zusammenzuhalten. Der Aufstand in den Niederlanden machte ihm ebenso zu schaffen wie die verlustreichen Auseinandersetzungen mit England und jener Langzeitkrieg gegen Frankreich, der 1559 schließlich beendet werden...
