Berlin: Prall, stählern, exzessiv
Die neue «West Side Story» an der Komischen Oper ist bis auf Weiteres ausverkauft. Dass diese Produktion des Intendanten und Chefregisseurs Barrie Kosky und seines Choreografen Otto Pichler ein echtes musiktheatralisches Ereignis ist, hat sich rasch herumgesprochen. In der originalen Orchesterbesetzung und nahezu ungestrichen gespielt, entpuppt sich Bernsteins Hitparade unter der Leitung von Koen Schoots als stählern instrumentiertes Werk, das die klanglichen Exzesse eines Strawinsky oder Varèse zum Tanzen bringt.
Schoot lässt die zwölftönige Fuge in Riffs «Cool»-Song ins schier Chaotische kippen und wagt in den gefühlvollen Momenten ein instrumental heikles pianissimo – die Musiker der Komischen Oper folgen mit jener wachen Neugier, die dieses Orchester auszeichnet.
Das klingt prall und intensiv, jedoch nirgends forciert oder verzerrt. Und stimmt beeindruckend mit Inszenierung und Choreografie zusammen. Alles «Diskursive» in den gesprochenen Zwischentexten wird so knapp wie möglich abgehandelt – der scharf umrissene Affekt, wie er durch Übertragung der Rhythmen und Klänge auf Körper und Stimme entsteht, vermag die Essenz der Szenen zu konzentrieren.
Die Bühne ist ein düsterer ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag....
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
