Bergsturz
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein Einziger überlebt: Es ist Antoine, der sich mit Geschick und Hartnäckigkeit aus seinem Verlies befreit und, wie weiland Siegfried, geleitet von einem Vögelchen ins Dorf hinuntereilt.
Dort wird er nicht eben freundlich empfangen; die Dorfgemeinschaft hält ihn für einen Wiedergänger. Thérèse aber, ihm frisch angetraut und in Erwartung, erkennt ihren Mann und folgt ihm in ein neues Leben, wo immer sich das abspiele.
Erzählt wurde diese Geschichte 1934 von dem viel zu wenig geschätzten Schriftsteller Charles Ferdinand Ramuz aus der französischen Schweiz. Kein Wunder, dass der sehr persönliche Roman Daniel Andres in Bann geschlagen hat. 1937 in Biel geboren und dort verwurzelt, ist Andres Komponist, überdies jedoch ein auf denkbar unterschiedlichen Ebenen aktiver Künstler. Neben dem Komponieren wirkt er als Dirigent und Organist; er ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Peter Hagmann
Es war Herbert von Karajan, der vor bald 40 Jahren den Impuls gab: Im Gespräch mit Liz Mohn beklagte der Maestro einst die fehlende Förderung des Operngesangs in Deutschland. Der Gedanke ließ die heutige Witwe des Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn nicht los, und so rief sie 1987 den internationalen Gesangswettbewerb «Neue Stimmen» ins Leben, der seither im...
Die Dämonen sind da. Oben und unten. Oben, von den Rängen, erschallen aus verborgenen Lautsprechern die (sechs) Stimmen derjenigen, deren einziges Ziel es ist, wilde Spekulationen zu verbreiten, und ihn, den Virtuosen, an den Pranger zu stellen. Unten, aus den Lamellen zur Linken wie zur Rechten sowie von der Hinterbühne, fliegen Tänzerinnen und Tänzer als seine...
Das ist doch mal ein Statement: «Ich bin schön.» In diesem dreifach einsilbigen Satz der Sancta Susanna liegt gehöriger Sprengstoff. Da bricht die Energie einer jungen Frau auf, die ihren Körper in der Sittenstrenge des Klosters nicht eine Sekunde lang spüren durfte. Wo die Keuschheit von Schwester Klementia, ihrer einzigen Vertrauten, als gemeinsames Gelübde...
