«Bellißima»
Nach Tommaso Traettas »Sofonisba» (siehe OW 4/2006) und Niccolò Piccinnis »Catone in Utica» (siehe OW 4/2007) erinnert Mannheim zum dritten Mal an die große Zeit der kurpfälzischen Hofoper unter Kurfürst Karl Theodor. Diesmal fiel die Wahl auf den 1766 uraufgeführten «Alessandro» von Gian Francesco de Majo. Wie Piccinni, Traetta und Gluck gehörte der 1770 verstorbene Komponist zu jenen Reformern, die der ernsten Oper wieder den Charakter des wahren Dramas zurückgeben wollten.
Aber gleich seinen Mitstreitern bediente auch er den konventionelleren Stil der typisch metastasianischen Seria mit ihren wie auf einer musikalischen Perlenschnur aneinandergereihten Abgangsarien – jedenfalls dann, wenn der Auftrag dies erforderte. Nach der reformerischen, 1764 ebenfalls für Mannheim komponierten «Ifigenia in Tauride» war dies beim «Alessandro» der Fall. Glänzende Vokalmusik entstand dabei allemal: virtuose Da-Capo-Arien im ausuferndsten Stil wie hier die der Erissena («Di rendermi la calma») mit ihren brillant gesetzten Obligatstimmen für Oboe und Fagott oder die Bravourarien des Poro; melodiös-empfindsame Szenen wie die mit der Arienform experimentierenden Solonummern der Cleofide oder die ...
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Die Erstveröffentlichung des Bayreuther «Ring» von 1955 unter Joseph Keilberth haben wir an dieser Stelle als kleine Sensation ausführlich gewürdigt (siehe OW 4/2007). Nun legt das britische Label Testament mit einem weiteren historischen «Ring» nach, der bisher nur als klanglich fragwürdige Piratenaufnahme existierte. Es handelt sich um den Londoner Zyklus von...
Erstaunlich ist es schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigsten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur. Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
