Die Cousine aus der Torte

Zürich, Halévy: Clari

Opernwelt - Logo

Wenn’s denn ein Opernkalauer sein darf. Frage: Was ist die Steigerung von «nie gehört»? Antwort: «Clari»! Den Titel von 1828 dürfte selbst im notorisch ausgrabungsfreudigen Zürcher Opernhaus niemand auf der Rechnung gehabt haben, bevor Cecilia Bartoli in der Pariser Bibliothèque Nationale darauf stieß. Das ge­schah, als die Musikforscherin in ihr auf den Spuren von Urvorgängerin Maria Malibran eine der beiden italienischen Opern von Jacques Fromental Halévy auftat.

Und das Haus am Bellevue ist sicher das einzige, das seit Menschengedenken zweimal Halévy in einer Saison im Angebot hat: Die sieben Jahre jüngere und viel be­rühmtere «Jüdin» war vorangegangen.
Der ganz große Bartoli-Auftritt wurde es indes erst gegen Ende – und das ausgerechnet mit einer zwar im Libretto vorgesehenen, aber nicht mehr vorhandenen Arie, die jetzt durch einen Auszug aus Halévys Shakespeare-Oper «Der Sturm» ersetzt wurde. Cecilia Bartoli staffierte sie wie alles andere zuvor mit all ihrer lyrischen Empfindsamkeit und all den fast drei Oktaven durchmessenden, fantastischen Koloratur-Rouladen aus.
So sehr sich auch der Dirigent Adam Fischer samt dem (Spezial-)Orchestra «La Scintilla» der Zürcher Oper im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Zeit gefallen

Die Welt ein Gedankengebäude. Ein Gespinst aus Ideen nur. Immer wieder fasziniert diese Idee, die Arthur Schopenhauer einst formulierte, als eine Möglichkeit, sich vor ihr als tatsächlichem Gegenstand zu schützen. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist mehr als nur ein Titel eines unzweifelhaft bedeutenden Werkes, das nicht zufällig eine der...

Symphonie der Körper

Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer...

Paradoxer Fall

Schon der Beginn der Oper klingt verhei­ßungsvoll: Das Symphonieorchester des Bay­erischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmi­scher Elas­tizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt....