Belcanto in der Manege

Donizetti: L’elisir d’amore am Pfalztheater Kaiserslautern

Opernwelt - Logo

Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto in der Manege – eine Notlösung mit besonderem Charme, wie die temporeiche Inszenierung von Anja Kühnhold zeigte. Bevor das Spektakel losging, servierten livrierte Verkäufer mit Bauchladen Popcorn und Getränke.

Das Publikum saß im Halbrund gegenüber dem Orchester und blickte in eine Zirkusarena von nachgerade nostalgischem Flair. Im Zentrum ein weißer Pavillon aus Metall mit trapezartiger Schaukel, geschmückt mit roten Luftballons, eingegrenzt durch goldglitzernde Podeste. Von der ersten Szene an warten die Regisseurin und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Sophia Blersch mit allem auf, was die Zirkuswelt zu bieten hat. In knallbunten Kostümen wirbeln Jongleure, Tänzerinnen, Artistinnen und Artisten, Zauberer und Messerwerfer über die Bühne. Eine fantasievolle Farbexplosion mit zahlreichen witzigen Details, darunter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Radikal ehrlich

Schöne, neue Welt? Mitnichten. Die Welt, die Clemens Meyer in seinem wort- und bildmächtigen Leipzig-Roman «Im Stein» beschreibt und in die er so tief eintaucht, dass man das Gefühl hat, er würde ganz und gar darin verschwinden, ist eher eine Unter-Welt, ein trostloser Ort, an dem die zwischenmenschlichen Beziehungen heruntergebrochen sind auf jenes Verhältnis, das...

«Helden wie ihr»

Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte...

Liebesopfer

Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu. Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und...