Belcanto in der Manege
Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto in der Manege – eine Notlösung mit besonderem Charme, wie die temporeiche Inszenierung von Anja Kühnhold zeigte. Bevor das Spektakel losging, servierten livrierte Verkäufer mit Bauchladen Popcorn und Getränke.
Das Publikum saß im Halbrund gegenüber dem Orchester und blickte in eine Zirkusarena von nachgerade nostalgischem Flair. Im Zentrum ein weißer Pavillon aus Metall mit trapezartiger Schaukel, geschmückt mit roten Luftballons, eingegrenzt durch goldglitzernde Podeste. Von der ersten Szene an warten die Regisseurin und ihre Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Sophia Blersch mit allem auf, was die Zirkuswelt zu bieten hat. In knallbunten Kostümen wirbeln Jongleure, Tänzerinnen, Artistinnen und Artisten, Zauberer und Messerwerfer über die Bühne. Eine fantasievolle Farbexplosion mit zahlreichen witzigen Details, darunter ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Silvia Adler
Sein oder Nichtsein, das ist hier zunächst nicht die Frage. Jedenfalls nicht die allesentscheidende. Man muss schon etwas (und aufmerksam) weiterlesen in Hamlets berühmtem, meist unzulässig verkürzt verstandenen Monolog zu Beginn des zweiten Aufzugs von Shakespeares Drama, um wirklich zu verstehen, was den Dänenprinzen umtreibt, was ihn quält, was ihn zum...
Nichts Geringeres als die Frage nach dem Sinn des Lebens treibt den Komponisten Leoš Janáček in seinen beiden letzten Opern um: «Die Sache Makropulos», 1926 uraufgeführt in Brünn, ist eine groteske Parabel über die menschliche Sehnsucht nach Unsterblichkeit; seine Dostojewski-Vertonung «Aus einem Totenhaus», im Sterbejahr des Komponisten (1928) entstanden,...
Für Johann Sebastian Bach war Kirchenmusik, wie die Predigt des sonntäglichen Gottesdienstes, Verkündigung – «der Glaube gesungen», wie er selbst auf einem seiner Kantaten-Autographe notierte. Schon im Konzertsaal mit dem Kult der ästhetischen Autonomie, erst recht aber auf der Opern-, gar der Tanzbühne scheinen seine beiden großen Passionen fehl am Platz. Und doch...
