Bekenntnisse eines Tiefstaplers

Er ist international gefragt, doch der Tenor Mark Padmore sagt von sich selbst, er werde wohl nie ein guter Sänger. Er weiß, dass Musik nur aufwühlt, wenn man das Unmögliche will. Ein Gespräch über Sprache und Klang, Britten und Bach und das Leben als Wanderschaft

Opernwelt - Logo

Herr Padmore, Sie haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie keine große Stimme haben. Wenn ich jetzt sage: «Ihre Karriere ist das Ergebnis einer grandiosen Kompensation», stehen Sie dann gleich wieder auf und gehen?
(lacht) Wenn ich einen tollen Klang hätte, würde ich ihn einsetzen, keine Frage. Aber wie die Dinge liegen, muss ich eben behaupten, darauf kommt es nicht an! Spaß beiseite: Ich musste immer auf andere Fähigkeiten bauen.

Schon mein Chor-Stipendium für das King’s College in Cambridge bekam ich nicht der schönen Töne wegen, sondern weil ich verlässlich die rechten Noten zur rechten Zeit ablieferte – jedes Ensemble braucht solche Leute. Auch mit 21 reichte meine Stimme noch nicht für eine Solokarriere, obwohl ich davon durchaus träumte. Sie reichte nicht einmal fürs Konservatorium. Das ich mir im Übrigen auch gar nicht hätte leisten können: In der Uni hatte ich Schulden angehäuft, die Bank wollte ihr Geld zurück. Ich wurde Sänger, weil ich Arbeit brauchte! Erst hatte ich vor, mir im Musikbereich einen Bürojob zu suchen und nebenher vielleicht Stunden zu nehmen. Am Ende wurden es Chor-Engagements.

Es heißt ja immer, Chorsingen sei nicht gut für die Solostimme.
Ich sehe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Interview, Seite 30
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Apropos... Extreme

Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich...

Für den Salon

Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...

Musikalisch wertvoll

Es könnte alles anders kommen. Wenn sich im Prolog von Brittens «Peter Grimes» die Stimmen des Titelhelden und der Lehrerin Ellen vereinen, öffnet die Schönheit der Unisono-Melodie eine Ahnung von Frieden und Gemeinschaft, vielleicht sogar von Liebe. Engelsgleich rein klingt Ivana Ruskos Sopran, die Tenorstimme Marco Jentzschs schmiegt sich mit sicherer Höhe an....