Beinahe grotesk
Überall, jederzeit». So lapidar die Regieanweisung des Komponisten, so fundamental das im Stück verhandelte Sujet: Der Conditio humana, den Bedingungen und Umständen menschlichen Daseins gilt es nachzuspüren. Dazu schwebt die Tochter des hinduistischen Gottes Indra hinab auf die Erde. Der Menschen Schicksal zu erkunden, deren Leiden und Klagen zu durchleben und – so die finale Hoffnung – ihnen Erlösung zuteil werden zu lassen: Darin besteht ihre Mission. Sie scheitert. Weil die Menschen letztlich gar nicht befreit werden wollen.
Aribert Reimanns 1965 uraufgeführter Opernerstling «Ein Traumspiel» nach dem gleichnamigen Schauspiel von August Strindberg ist gewissermaßen das Schmerzenskind im Werkkatalog des erfolgsverwöhnten Grandseigneurs des nachkriegsdeutschen Musiktheaters. Nicht von ungefähr handelt es sich bei der Inszenierung von Keith Warner an den Bühnen Halle um die erst vierte Produktion überhaupt. So farbprächtig sich der Reigen der albtraumhaft mäandernden dreizehn Bilder fügt, so sehr verlangt dieser nach einer Regie, die Reimanns überbordenden Einfallsreichtum auf der Bühne darzustellen vermag.
Ausstatter Kaspar Glarner gelingt dabei eine kongeniale Umsetzung: ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Werner Kopfmüller
Drei überaus erfolgreiche Opernkomponisten stehen, bei allen Unterschieden, exemplarisch für den Zwiespalt von Moderne und Tradition: Benjamin Britten, Hans Werner Henze und Aribert Reimann. Von der guten, alten Oper wollten sie nicht lassen, ebensowenig von der Anlehnung an hohe literarische Vorlagen. Auch in der Distanz zur «doktrinären» Avantgarde der...
Man muss gar nicht in den hintersten Winkeln uralter Bibliotheken stöbern, um so Unerhörtes wie Alessandro Scarlattis «Il Cambise» aufzustöbern. Maestro Alessandro Quarta entdeckte das späte Meisterwerk des 1660 in Palermo geborenen überproduktiven Komponisten im digitalen Archiv der Biblioteca del Conservatorio di Musica S. Pietro a Majella in Neapel und schlug es...
Ein «lyrisches Märchen» hat Antonín Dvořák seine 1901 uraufgeführte Oper «Rusalka» genannt. Um ein Mensch zu werden und eine Seele zu erwerben, muss die Nixe ihre Stimme aufgeben. Ohne Sprache ist sie aber nur ein Phantom für den Prinzen, dessen Traumbild sie liebt. In der zeittypischen Gestaltung des Stoffs durch den Librettisten Jaroslav Kvapil verbinden sich...
