Begrenzt entgrenzt
Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle Rache» koloratur- und höhensicher beschwören können, nicht auch eine leidende Gräfin oder eine hysterische Donna Elvira darstellen.
Die lettische Sopranistin Marina Rebeka setzt sich über das tradierte Fächerdenken hinweg und präsentiert bereits mit den ersten drei Arien ihres Mozart-Albums drei grundverschiedene Charaktere: Elettras furiose Finalszene aus «Idomeneo» weiß sie mit energischem Ausdruck und explosiven Ausbrüchen zu gestalten, «Porgi, amor» gelingt ihr mit schöner Innigkeit, als rachedurstige Königin der Nacht versteht sie mit gestochen scharfen Koloraturen zu beeindrucken. Auch die anderen Arien zeigen die Tendenz, die Spannweite vom lyrischen Sopran bis zum Koloratursopran abzudecken.
Rebeka, auf den großen Bühnen der Welt nicht zuletzt als Mozart-Interpretin tätig, verfügt über stimmliche Mittel, die ihr ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch...
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Fünfzehn Millionen Euro hat das Saarland in sein Staatstheater investiert. Und damit die Qualität des Hauses spürbar verbessert. «Auf den ersten Blick erstaunlich für ein Haushaltsnotstandsland», findet selbst Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Dass sich das einst von den Nazis als «Bollwerk gegen den französischen Kulturbolschewismus» gebaute Haus...
