Begrenzt entgrenzt
Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle Rache» koloratur- und höhensicher beschwören können, nicht auch eine leidende Gräfin oder eine hysterische Donna Elvira darstellen.
Die lettische Sopranistin Marina Rebeka setzt sich über das tradierte Fächerdenken hinweg und präsentiert bereits mit den ersten drei Arien ihres Mozart-Albums drei grundverschiedene Charaktere: Elettras furiose Finalszene aus «Idomeneo» weiß sie mit energischem Ausdruck und explosiven Ausbrüchen zu gestalten, «Porgi, amor» gelingt ihr mit schöner Innigkeit, als rachedurstige Königin der Nacht versteht sie mit gestochen scharfen Koloraturen zu beeindrucken. Auch die anderen Arien zeigen die Tendenz, die Spannweite vom lyrischen Sopran bis zum Koloratursopran abzudecken.
Rebeka, auf den großen Bühnen der Welt nicht zuletzt als Mozart-Interpretin tätig, verfügt über stimmliche Mittel, die ihr ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
Nicola Antonio Porpora komponierte die Serenade «Gli orti esperidi» 1721 als Geburtstagsgruß an Kaiserin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel, deren Gatte Karl VI. u. a. über das Königreich Neapel herrschte. Die Geschichte dazu lieferte der blutjunge Librettist Pietro Metastasio: In Begleitung ihres Geliebten Adonis steigt Venus hinab in den Garten der Hesperiden,...
