Mit Schaumschürzchen

Weil der Sultan Klassikfan ist, gibt es im Oman neuerdings einen Musikpalast. Jetzt war die Wiener Staatsoper mit einem alten «Figaro» da.

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Halbnackte Steinstatuen im Garten bekamen ein Schamschürzchen, christliche Kreuze wurden durch neutrale Wappenschilde ersetzt, und ein Domestik durfte nicht mehr betrunken sein. Aber sonst hätte der 1988 verstorbene Regisseur Jean-Pierre Ponnelle seine zu Hause längst abgesetzte Inszenierung von Mozarts «Hochzeit des Figaro» aus dem Jahr 1972 auch im Oman sofort wieder erkannt: Die durchaus reiseerfahrene Wiener Staatsoper war mit der berühmten Buffa erstmals auf Gastspiel in einem arabischen Land.

In dem Wüstenstaat mit zwei Millionen Einwohnern, die sich auf die Fläche Italiens verteilen, steht seit zwei Jahren in der Hauptstadt Maskat mit Blick auf den indischen Ozean ein wunderschönes Opernhaus: als Fort-ähnliche Fata Morgana aus Marmor, mit feinsten Holzschnitzereien, dezenten Kristalllüstern, geschliffenen Gläsern, gepflegten Gärten und roten Sesseln mit Geigenmuster. Das einzige in der Region, zum nächsten muss man bis nach Mumbai oder Kairo. In Abu Dhabi baut zwar Zaha Hadid, und auch in Dubai wird an einem Entwurf für ein Multifunktionstheater westlicher Prägung herumgefeilt, aber die Omanis waren schneller.

Dass Mozart im versexten Grafenschloss den Diener gegen die ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Manuel Brug

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