Bedeutungsschwangerschaftsstatik
Luis de Pablo – im Januar 1930 in Bilbao geboren, am 10. Oktober 2021 in Madrid gestorben – konnte die Uraufführung seiner letzten Oper nicht mehr miterleben. Das Libretto von de Pablos Musiktheater «El Abrecartas» (»Der Brieföffner«), das heuer am Teatro Madrid aus der Taufe gehoben wurde, fußt auf einem Buch von Vicente Molina Foix aus dem Jahr 2006. Doch in der theatralen Umsetzung des Buches schwächelt es aus jeder Ecke hervor. Die Struktur der Oper: ein Prolog und sechs Szenen; verbunden-unverbunden.
Eine gewichtige spanische Kulturepoche als Thema – überaus schwierig angesichts fast musicalhafter Gesangstextbehauptungen. Da wird auch einfach mal (frei aus dem Spanischen übersetzt) gesungen: «Ich bin ein bedeutender spanischer Schriftsteller!» Oh weh! Als Außenstehender, der ähnlich Plakatives im Zeichen Goethes und Schillers zu Hause fremdschämend ablehnen würde, fragt man sich, ob das nicht viel zu allgemein, viel zu reduziert, zu banal ist. Geschichtsunterricht mit (gesungener) Ansage. Unangenehm.
Dramaturgisch hängt sich das Stück in der Regie von Xavier Albertí an (einem Strick von) Briefen von diversen Personen aus dem Umfeld der spanischen Literaturszene auf. Im ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Arno Lücker
Der Zeitzeuge zeigte sich beeindruckt: «Der erste Akt beginnt mit dem Erscheinen Auroras. Das ist das womöglich blühendste, wollüstigste Stück Musik, das ich bisher in der Oper gehört habe» – das schreibt Jacques Cazotte im Uraufführungsjahr 1753 von Mondonvilles pastorale héroïque «Titon et l’Aurore».
Große Instrumental- oder Chorbilder waren, neben einer...
Nordrhein-Westfalen besichtigt in diesen Monaten «Herzog Blaubarts Burg» erstaunlich oft. Am Theater Hagen war Béla Bartóks Psycho-Kurzoper aus dem Jahr 1911 unlängst in einer fantastisch schlüssigen, unter die Haut gehenden Inszenierung von Francis Hüsers zu sehen (siehe OW 3/2022). Im Herbst 2021 kam das Stück in Düsseldorf auf die Bühne (Regie: Demis Volpi) –...
Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....
