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Weill: Die Dreigroschenoper am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken

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Angesichts der gegenwärtigen Weltund Wirtschaftslage müsste man die «Dreigroschenoper» von Bert Brecht und Kurt Weill tagtäglich aufführen, denn wer stünde heute nicht ohne Gedanken an die Sentenz neben der Zapfsäule: «Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral»? Krachende Kapitalismus-Kritik auf der Opernbühne ist jedoch offensichtlich passé. Zum einen kommt sie dem zeitgeistigen Unterhaltungsbedürfnis nicht entgegen, zum anderen scheint sie gegenüber drängenderen gesellschaftlichen Fragen kaum mehr «relevant» zu sein.

Wer das Stück trotzdem aufführen will, muss wohl den Weg beschreiten, den Barrie Kosky 2021 am Berliner Ensemble vorgezeichnet hat: eine Revue mit genderfluider Ausrichtung als Anti-Lehrstück.

Am Saarländischen Staatstheater hat sich Schauspieldirektor Christoph Mehler des Werks angenommen und ist damit modisch up to date. Wie bei Kosky ist Tiger-Brown, der korrupte Londoner Polizeichef, eine Frau, hier in blauer Uniform. Und weil es eher unwahrscheinlich ist, dass sie zusammen mit Macheath in der Kolonial -armee in Indien gedient hat, erinnert sich Brown lieber an ihren gemeinsamen Afghanistan-Einsatz. Christiane Motter, Schauspielerin mit Musical-Ausbildung, ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 70
von Lotte Thaler

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