Bauer sucht Frau

Smetana: Die verkaufte Braut (Mainz)

Opernwelt - Logo

Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge inszenierte in Frankfurt eine detailverliebte traditionelle Produktion.

In Mainz macht sich Tatjana Gürbaca ganz andere Gedanken um die «Verkaufte Braut»: Lokalkolorit findet sich nur noch in einem Berg- und Waldvorhang auf dem Bühnenhintergrund und bei einigen Kostümen. Ansonsten herrscht jene kühle Tristesse, die auch schon die letzten drei Inszenierungen Gürbacas («Werther» und «Manon» von Massenet, «Lucia di Lammermoor» von Donizetti) in Mainz bestimmte.

Der Chor könnte eine Serviermannschaft der DDR-Gastronomie sein – warum er auf Transparenten gegen «die allgemeine Käuflichkeit» oder «die Schließung» protestiert, wird wohl ewig Geheimnis des Regieteams bleiben. Denn die im Programmheft der Handlung zugeschriebene Kapitalismuskritik geben weder Stück noch Inszenierung her. Sämtliche Chorauftritte wirken in dieser Lesart ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Probebühne Paris

Ist Paris eine Musikstadt? Sicher nicht im Sinne einer Musikmetropole wie Wien, wo man über­all auf die Zeichen einer in Jahrhunderten gewachsenen, weltweit ausstrahlenden Musikkultur trifft. Paris ist einfach zu groß, zu vielgestaltig in seinen Lebensfunktionen, um der Tonkunst den Vortritt einzuräumen. Gleichwohl begegnet der Musikliebhaber dort einer Fülle...

Surreale Welt

Am Anfang stand ein Film, Fatih Akins preisgekröntes Leinwanddrama «Gegen die Wand» mit einem Stoff von heute, wie er in den Türkenvierteln deutscher Städte zum Alltag gehört. Sibel geht eine Scheinehe mit dem lebensmüden Cahit ein, um endlich aus dem Gefängnis des Elternhauses ausbrechen und sich ins Großstadtleben mit all seinen Verlockungen und Auswüchsen...

Alles fließt

Mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Dass es klappt. Dass man es wirklich ernst nehmen kann. Dass man eingeschliffene Hörerwartungen und Klangperspektiven gern korrigiert? Cecilia Bartoli singt Norma – die ganze Partie (die Arie hatte sie schon vorher aufgenommen). Ein Wagnis. Als die Römerin vor zwanzig Jahren ihre Karriere startete, hätte das niemand vorhersagen...