Barocke Spielarten
Im September 2021 hatte der Altist und Regisseur Max Emanuel Cencic bei dem von ihm gegründeten Barockfestival im Bayreuther Markgräflichen Opernhaus Nicola Porporas «Polifemo» inszeniert. Die gleichzeitig entstandene Studioproduktion bestätigt nicht nur den Ausnahmerang des 1735 in Konkurrenz zu Händel in London uraufgeführten Werks, sondern ist eine der glänzendsten Aufnahmen, die je von einer barocken Opera seria gemacht wurden.
Die Handlung verbindet zwei antike Mythen um den einäugigen Zyklopen Polyphem zu einer Liebesgeschichte.
Da der lüsterne Barbar der Nymphe Galatea ihr Liebesglück mit dem Hirten Aci nicht gönnt, erschlägt er ihn mit einem Felsblock und wird dafür zur Strafe von Ulisse, der sich auf der Heimfahrt von Troja die Zeit mit Calipso vertreibt, geblendet. Jupi -ter sorgt für das opernübliche Happy End, indem er Aci zu den Göttern erhebt. Polifemo – der Bassist Pavel Kudinov singt das menschenfressende Monster mit kräftigem Bass, ohne das Groteske zu übertreiben – ist zwar die Titelfigur, im Zentrum aber stehen Aci, Ulisse und Galatea. Porpora huldigt seinen Stars, den Kastraten Farinelli und Senesino sowie der Primadonna Cuzzoni, mit halsbrecherischen ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert
Lange wurde Georg Friedrich Händel verwöhnt von den Erfolgen, die ihm seine Wahlheimat London bescherte. Der wuchtige Hallenser, seit 1727 britischer Staatsbürger, hatte das Opernleben auf der Insel dominiert. Seine Royal Academy of Music sorgte durch den Starsänger Senesino sowie zwei konkurrierende Primadonnen für Furore – Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni...
Mariettas Kleid in sonnig strahlendem Orange (bunte, auch romantisch blaue Blumen sind darauf gedruckt) erzählt ausdrücklich von der hellen Seite des Lebens. Und doch gleicht es aufs Haar dem Gewand einer Toten: ihrer «Vorgängerin», Pauls verstorbener Frau Marie, die (in Gestalt der jungen Tänzerin Natalie Kien) in jenem betongrau gruftig-düsteren Verlies haust,...
Die erste Orchesterprobe ist ein wenig ernüchternd: Nach vier Tagen intensiven Unterrichts und Proben mit Klavierbegleitung spürt man deutlich, wie die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit der Dynamik eines großen Instrumentenapparats noch fremdeln. Es klappert an Nahtstellen, die Meinungen über Tempi gehen bisweilen auseinander. Offenbar fehlt ein Stück Erfahrung....
