Barocke Grenzerkundungen
Ob es Alan Curtis noch zu einer Gesamtaufnahme aller Händel-Opern bringen wird? Dank der finanziellen Unterstützung der Händelianerin Donna Leon ist die Aufnahmeliste des 76-Jährigen schon auf über zehn Werke gewachsen, und nachdem frühere Curtis-Einspielungen eher den Werken aus der zweiten Reihe («Lotario», «Arminio») galten, wagt er sich seit einiger Zeit an Chefstücke wie «Alcina», «Rodelinda» und jetzt «Ariodante».
Dort hängen die Trauben allerdings ein gutes Stück höher: Curtis’ neuester Händel-Streich muss sich einem Feld von Vergleichsaufnahmen stellen, das von Raymond Leppards Klassiker mit Janet Baker und Samuel Ramey über Nicholas McGegans Aufnahme mit dem Freiburger Barockorchester und Lorraine Hunt bis zur Referenz-Version von Marc Minkowski mit Anne Sophie von Otter hochkarätig bestückt ist. Dass die Neueinspielung den Vergleich nicht besonders gut besteht, liegt auch an Maestro Curtis selbst: Sein locker-leichter Händel-Stil verträgt sich mit den komischeren Werken besser als mit einem Werk wie «Ariodante», wo es um Leben und Tod geht. Gerade gegenüber der rhythmisch schärfer konturierten und dynamisch ausgreifenderen Minkowski-Aufnahme klingt Curtis’ Version wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 30
von Jörg Königsdorf
Jeder regelmäßige Besucher von Kopenhagens Oper weiß, was es bedeutet, wenn sich das Publikum plötzlich schweigend von seinen Sitzen erhebt. Auf diese Art erweist das dänische Volk traditionell seiner Königin Respekt – und setzt sich erst wieder, wenn Margarethe II. Platz genommen hat. Das ist auch an diesem Dienstagabend nicht anders, als die opernaffine...
Lewis Carrolls «Alice in Wonderland» ist ein Kinderbuchklassiker, der es in sich hat. In einer Reihe von Traumsequenzen führt der Dichter seine Hauptfigur durch absurde Situationen mit merkwürdigen, zwischen Tier- und Menschengestalt schillernden Protagonisten und nimmt dabei spielerisch die rigiden Erziehungsmaßstäbe der viktorianischen Zeit aufs Korn. Die...
Aktueller kann Oper kaum sein: Gerade hat Norddeutschland eine der längsten Trockenperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt, da führt Jörn Arneckes Musikdrama «Kryos» dem Publikum die erschreckenden Folgen einer Klimakatastrophe vor Augen – in einer Science-Fiction-Utopie mit Tiefgang und doppeltem Boden. Im 23. Jahrhundert, nachdem ein Großteil der...
