Tänzeln und Tanzen
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde.
Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in diesem sensualistisch-folkloristischen Pandämonium ins Bizarre gesteigert, als arrangiere sich nationalkultureller Enthusiasmus zum Totentanz; zugleich herrscht in der traumselig-hundertstimmigen Partitur (gleichsam einem dauertrunkenen Reger-Tonfall) die Wonne einer kalkulierten Naivität, symbolisch konzentriert um den getragen-gravitätischen Dreivierteltakt-Ohrwurm «Auf unserm Hof daheim», der wie eine geheim allgegenwärtige Essenz das ganze pralle Musikgeschehen durchwürzt. Vielleicht sind es die Momente von Uneigentlichkeit, demonstrativem Déjà-vu, ja parodistischer Unverschämtheit gegenüber dem Gestus der seriösen böhmischen Nationaloper («Libussa», «Dalibor»), die «Schwanda» für die tschechische Rezeption bis heute eher verdächtig sein lässt – Furore machte auf Initiative Max Brods die deutschsprachige Version.
Ihr ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Hans-Klaus Jungheinrich
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«Diese Bilderbuchkarrieren, gibt’s die überhaupt?», fragte Doris Soffel im Gespräch mit «Opernwelt» einmal (siehe OW 9-10/2015). Ihre Antwort: «Nein! Es gibt nur Zickzack.» Mit entwaffnender Offenheit sprach da eine Mezzosopranistin, die vom Koloraturfach kommt, ihren internationalen Durchbruch nach neun Stuttgarter Ensemblejahren als Sesto in Mozarts «Tito»...
JUBILARE
Am 17. Mai wäre sie 100 Jahre alt geworden. Klar, dass Birgit Nilsson, der Jahrhundertstimme aus dem hohen Norden, aus diesem Anlass vielfältig gehuldigt wird. Decca und Deutsche Grammophon bringen in einer Box (79 CDs, 2 DVDs) ihr klingendes Nilsson-Archiv auf den Markt; der Wiener Verlag für moderne Kunst verlegt eine monumentale Buch-Hommage; ein neuer...
