Umgebettet
Der Sprung aus dem Einst in die Gegenwart – wie oft gelingt er nur mit Verlust, verfehlt sein Ziel und lohnt den Aufwand nicht. Anders in Basel, bei Sergej Prokofjews Dostojewski-Musikalisierung «Der Spieler». Da darf mit Fug und Recht von der wohlgeratenen Umbettung eines Werks die Rede sein. Wer jetzt mit der späten Schweizer Erstaufführung konfrontiert ist, muss nach dem ersten Blick auf die von Zinovy Margolin eingerichtete Szene freilich schließen, dass die Gestalten in Vasily Barkhatovs Inszenierung ihre beste Zeit hinter sich haben und hinter ihrem Glück herspielen.
Das Grandhotel im fiktiven Roulettenburg, in dem sich laut Libretto (Prokofjew schrieb es selbst) die Handlung zuträgt, ist zum proper möblierten Hostel herabgestuft, die Zimmer mit zum Teil zweistöckigen Betten sehen so aus, als lägen sie halb auf dem Flur – wohl ein Verweis darauf, dass auch Stofflieferant Dostojewski nicht ausschließlich an den allerersten Adressen verkehrte. Ein Haus, das über Eck steht und von jener architektonisch geglätteten Einfalt ist, die unsere Neubauquartiere nicht selten einander so auffällig ähnlich macht. Davor: eine Bushaltestelle ohne Busse.
Da begibt sich, was eigentlich in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Heinz W. Koch
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik,...
Wiedereröffnung
Das Warten hat ein Ende. Nach rund sechsjähriger Sanierung ist das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth wieder spielbereit. Das erste Stück: Hasses «Artaserse». Ein Bericht
Marianne Crebassa
Nach ihrem Salzburg-Debüt in der Titelpartie von Dalbavies «Charlotte Salomon» erregte die französische Mezzosopranistin dort 2017 als Sesto in Mozarts «Tito»...
Ein französischer Komponist aus der Zeit Ludwigs XIV., dessen Name nicht geläufig ist – das macht zumindest neugierig. Umso mehr, als der selbst im Bielefelder Katalog kaum vertretene Nicolas Bernier (1665-1734) hier mit Kammerkantaten vorgestellt wird, deren Meisterwerke von Campra über Clérambault bis zu Montéclair und Rameau bekannt sind und in zahllosen...
