Leonoras Traum
Die Umstände sprechen eigentlich dagegen. Die Lage – eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die dürftige Parkplatz-Situation. Der kleine, schwer zu findende Shuttlebus vom nahen Einkaufszentrum. Dazu eine Industriehalle, die zwar mit Bar, Sitz- und Steh-Ecken im Foyer aufgehübscht wurde, die aber für große Oper zu niedrig ist. Und doch: 60 000 Zuschauer im ersten Saisonquartal, 10 000 mehr als im Vergleichszeitraum 2016, davon ist selbst Neu-Intendant André Bücker überrascht. So leicht lassen sich Augsburgs Theatergänger also nicht vom Exil Martini-Park abschrecken.
Einen kleinen Aderlass hat er dafür im Personal zu verkraften. Zwei Sängerinnen verließen vorzeitig das Ensemble, auch sonst munkelt man, dass es im Team etwas hakte.
Beim Musiktheater setzt Bücker bislang, nach «Freischütz», der Fußball-Operette «Roxy und ihr Wunderteam» (ein Angebot auch für FC-Fans) und der gemäßigt modernen Diven-Tragödie «Prima Donna», auf Aboverträgliches. Mit «La forza del destino» zeigt Bücker, nach Ibsens «Peer Gynt» in der Schauspielsparte, seine erste Augsburger Opernregie. Ein Schlager, der – aber da ist der Intendant ja nicht allein – angeblich einer dringenden Konzeptkur bedarf: ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» aus den 1920er-Jahren, in Mitteleuropa jäh gestoppt von den Nazis, taucht nach und nach wieder auf, und die Opernfreunde reiben sich erstaunt die Augen, dass diese tolldreiste Nachblüte der tschechischen «Volksoper» so lange vergessen wurde. Die Rezeptur der «Verkauften Braut» erscheint in...
Eine Oper der stetigen Veränderung. Kaum eine Phrase ist wie die andere. Auch wenn sie ähnlich klingt, der Rhythmus weiterläuft, jede enthält kleine, wirkungsvolle neue Impulse. Philip Glass erzählt in «Echnaton» von einem radikalen Veränderer, jenem Pharao, der sich von der unübersichtlichen Vielgötterwelt lossagte und Aton, den Sonnengott, an ihre Stelle setzte....
Zum ersten Mal wurde in Russland eine Oper von Jean Baptiste Lully aufgeführt. Und weder Kritiker noch Publikum waren erstaunt, dass dieses Ereignis nicht in einer der beiden Opernhauptstädte stattfand, sondern in Perm, im Reich Teodor Currentzis’ (als Koproduktion mit der Opéra Royal du Château de Versailles). Dort haben schon Peter Sellars und Robert Wilson...
