Autokino-Oper
Die English National Opera hat ihr Lager vorübergehend am Alexandra Palace aufgeschlagen. Auf dem Ostparkplatz, um genau zu sein, gleich hinter dem traditionsreichen Veranstaltungsort, gibt’s aktuell eine Drive-in-«Bohème». 120 Autos werden so sorgsam platziert wie auf einer Autofähre. Wer keins hat, kann einen Leerwagen mieten oder mit dem Fahrrad kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind strikt: Fenster nur auf der Fahrerseite öffnen! Macht aber niemand, es ist ein heißer Tag und reichlich Platz.
Nicht herumlaufen! Machen alle, schließlich hat die Anfahrt durch London bei vielen länger gedauert als die Oper selbst und zweifellos vielfach für erbitterte Debatten zur Frage gesorgt: Ist die M 25 der zehnte Höllenkreis oder doch eher die North Circular? Am Parkplatzrand warten mobile Toiletten und ein Gastronomie-Bus (der sich späterhin in das mobile «Café Momus» verwandelt) auf Menschen, die jetzt alles wollen, nur nicht mehr im Auto sitzen. Man sollte vorbestellen und sich am eigenen Wagen bedienen lassen, aber Lust auf Süßes lässt sich schwer planen. Das Eis schmilzt sofort, das muss auch so sein. Klebrige Armaturen steigern das Autokino-Wohlbehagen.
Den Sound holt man sich per ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey
Frau de Beer, Sie sind seit einigen Jahren eine der gefragtesten Regisseurinnen der jüngeren Generation. Zittern Sie dennoch zuweilen und stellen sich die Frage: «Wollen die mich noch?»
Ich zittere immer. Auch dann, wenn ich Anfragen für die nächsten zwölf Monate habe, aber für das Jahr danach noch gar nichts.
Ist das ein Grundgefühl auch während der Arbeit?
Nein,...
Lullys letzte, 1686 uraufgeführte Oper «Armide» überdauerte alle Stürme der Zeit und stand bis 1766 regelmäßig auf dem Spielplan der Pariser Opéra – in freilich zunehmend übergriffiger Bearbeitung, bis ihr schließlich Glucks Opernreform, wie der französischen Tragédie en musique insgesamt, das Lebenslicht ausblies. Als Gluck dann 1777 das Sakrileg beging, Philippe...
Reduktion heißt die künstlerische Sparmaßnahme der Stunde, mit der die Opernhäuser den Corona-Vorschriften genügen. Dass weniger auch mehr sein kann, zeigte die Premiere von Mozarts «Entführung aus dem Serail» zur Saisoneröffnung am Dortmunder Opernhaus. Gewiss, die Partitur musste Federn lassen. Einige Nummern entfielen, die verbliebenen waren gekürzt, die...
