Foto: Bregenzer Festspiele/Katharina Fa

(Auto-)Suggestion im Feuchtgebiet

Bizets «Carmen» schwimmt sich auf der Bregenzer Seebühne frei, Rossinis «Mosè» kommt im Festspielhaus als imaginäre Puppenstaatsaffäre daher

Als gewichtige dramaturgische Instanz steht der himmlische Wetterbeauftragte Petrus an den Seebühnen-Spieltagen immer im Zentrum des Bregenzer Interesses. Ein künstlerisch und administrativ allerdings leider nicht befriedigend kontrollierbarer Faktor.

So kursierte in den Stunden vor der «Carmen»-Premiere, als sich von Südwesten her drohend Wolkenberge türmten, realistischerweise nicht die Prophezeiung «Schönwetter», sondern bloß die bange Frage: Zieht die Gewitterfront weiter vorbei oder trifft sie punktgenau die Südost­ecke des Bodensees? Nun, sie zog knapp vorbei und führte für die zwei ersten Opernakte heftigen Regen mit sich. Von den 6000 Zuschauern im Areal – Schirme sind hier verpönt – flohen vor der Dauernässe höchstens ein paar Dutzend. Nach der gut zweistündigen Vorstellung (man erlebte «Carmen» mit nicht nur auf die Dialoge beschränkten, schwer zu verschmerzenden Kürzungen) bedankten sich die Veranstalter per Lautsprecher für die Durchhaltefähigkeit des Publikums – Vorarlberger Charme.

Einige ältere Festspielbesucher erinnern sich an abgebrochene oder in das Provisorium des geschlossenen Festspielhauses versetzte Aufführungen (dem Schreiber dieser Zeilen passierte das in ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Hans-Klaus Jungheinrich

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